Home
Route
Berichte Asien
Berichte Ozeanien
Berichte Suedamerika
Argentinien IV
Chile V
Argentinien III
Chile IV
Chile III
Argentinien II
Argentinien I
Chile II
Chile I
Bolivien
Peru IV
Peru III
Peru II
Peru I
Vorbereitungen
Fotos Asien
Fotos Ozeanien
Fotos Suedamerika
Infos
Running
Gästebuch
Kontakt
In English
Voting
 


Begibt man sich dorthin, wohin Südamerika auch aus geometrischer Sicht Spitze ist, so landet man in Ushuaia, der südlichsten Stadt unserer Erde. Bei genauerer Betrachtung gibt es noch einen Ort weiter südlich, den chilenischen Militärstützpunkt Puerto Williams, doch nicht nur die Werbetrommeln von Ushuaia, sondern auch die weltabgewandte und doch liebliche Atmosphäre im bedeutenden Küstenort lassen keinen Moment daran zweifeln, dass die vor Jahrhunderten vorherrschenden Meinung der Erde als Scheibe hier ihren Abgrund finden muss. Der Beagle-Kanal, an dessen südlichem Ufer Ushuaia liegt, durchschneidet Feuerland, den südlichsten Zipfel Suedamerikas, als natuerliche Wasserstrasse. An den Ufern des Beagle-Kanals bildet das Gebirge Cordillera Darwin mit fast 2500 m hohen Bergen den letzten grossen Höhenzug der Anden in Südamerika. Erste Berichte über Feuerland stammen von der Expedition Ferdinand Magellans: Der von ihm während der über 20 Tage dauernden Passage durch die heutige Magellanstrasse beobachtete Schein der Lagerfeuer der Ureinwohner gab der Inselgruppe den Namen. Auf einer dem Wind erbarmungslos ausgesetzten Insel vor Ushuaia nahmen wir einen Augenschein von einer primitiven Behausung der hier einst lebenden Indianer. Hautnah wollte die Lebensweise dieser Menschen niemand erleben: Das zum Schutz gegen die Kälte auf die Haut aufgestrichene Seelöwenfett blieb in der Dose des Führers. Auf Tierra del Fuego breitet sich ein riesiger Nationalpark aus, jedoch nur ein kleiner Teil ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Entlang des Beagle-Kanals gibt es unzählige malerische Buchten, die zum Verschnaufen einladen, und die im Wind ächzenden Lenga-Baeume geben immer wieder lohnende Blicke auf die gegenüberliegende chilenische Grenze frei. Trotzdem ist die südlichste Stadt der Welt und somit das Eingangstor zur Antarktis auch mit Gefahren verbunden: Stets befürchte ich, dass Mona sich auf einem Eisbrecher einschleicht und ins Reich der Pinguine entschwindet.

Geografisch ganz unten wollen wir den langen Weg hoch nach Santiago nicht mehr auf der endlosen Ruta 40 zurücklegen und steigen ins Flugzeug. Oftmals stülpt sich über die Hauptstadt Chiles eine schleierhafte Dunstwolke, der man auch den ungesunden Namen Smog geben könnte. Selbst auf ersten Zeichnungen von Kindergartenkinder soll der Himmel nicht blau, sondern schmutzig grau sein. An einem schönen Tag jedoch, nachdem der Wind vom Pazifik die Luft klargewaschen hat, offenbart die Millionenstadt, wenn sie sich am auslaufenden Andengebirge in einen Talkessel zwängt, eine fantastische Lage. Die Bewohner von Santiago haben ihren Naherholungspark auf den in die Stadt hineinragenden Vorlaeufer der Anden, den 863 Meter hohen Cerro San Cristobal verlegt: Mit einer Zahnradbahn erreichen wir die 14 Meter hohe Marienstatue und passieren auf der kurzen Fahrt auch den von Schulkindern eingenommenen Zoo. Auf der begrünten Hügelkette, über die wir mit einer Seilbahn hinwegschweben, finden wir auch ein schönes Freibad mit spektakulärem Blick über die Stadt. Santiago gefällt uns sehr: Das kwirlige Savoir-Vivre der Chilenen versprüht viel Energie, vor allem im kulturbeflissenen Viertel Bellavista. Nach der eher faden chilenischen Küche bestellen wir im Thai-Restaurant "extra scharf", worauf sich prompt ein Paar aus der Küche schielende Schlitzaugen vergewissert, dass wir keine Einheimischen sein können. Die Vorzuege einer Grossstadt nutzend gehen wir ins Kino und schauen uns den neuen James Bond und "Happy Feet" an. Mit dem Oberkörper von Daniel Craig werde ich in der Südsee nicht mithalten koennen, dafür brauche ich mich vor Mumbles Stimmgewalt nicht zu verstecken.

Valparaiso ist eine Hafenstadt an der Küste von Chile, die ihre Bedeutung als Warenumschlagplatz aber schon lange verloren hat. Eingepfercht in eine Bucht liegt sie da, die wichtigsten Hügel der Stadt kann man mit den berühmten 15 ascensores, Aufzügen erkunden. Schaubend und ächzend bringen sie auch uns auf eindrückliche Aussichtsplatformen, die den Blick über den Hafen freigeben und die Schiffscontainer wie Spielbausteine wirken lassen. Valparaiso ist kein Badeort, dafür hat es seine nördlich liegende Zwillingsstadt Viña del Mar. Viña del Mar war einst ein Weingut und hat sich über Jahrzehnte zu einem mondänen Strandort entwickelt. Als wir so durch die Gassen schlendern, sind wir sichtlich überrascht, dass hier nicht der Freikörperkultur gefrönt wird, sondern in allen Ecken dunkel gekleidete und geschminkte Gestalten zu sehen sind. Erst später erfahren wir, dass an dem Wochenende ein Konzert der Hardrock-Band Deep Purple der Grund für den Aufmarsch war. Ein Hineinfeiern in die Nacht kam für uns nicht in Frage, denn schliesslich wollen wir ja am nächsten Tag am Pacific Coast Marathon starten. Morgens um 5 Uhr machen sich die ersten Partygänger auf den Heimweg, wir müssen bei der Plaza de Armas einen Bus nehmen, der uns zu unseren Startpunkten bringt. Mona hat sich die 10-Kilometer-Strecke vorgenommen, ich laufe den Marathon. Es ist ein Erlebnis, an einem chilenischen Sportereignis teilzunehmen. Hinsichtlich der Atmosphäre und Begeisterungsfähigkeit auf der Strecke¨muss man leider vermuten, dass nicht viele Chilenen von der Aktion wussten. Mit 56 Minuten unterbot Mona die Stundengrenze klar, ich platzierte mich auf dem elften Rang. Das Ziel ist in Reñaca, dem schönsten Strand von Viña del Mar, zur Regeneration müssen wir uns nur noch in einen Liegestuhl fallen lassen.

Fotos Chile V


Blick ueber den Beaglekanal

Top