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Die Strecke von Puerto Iguazu nach Puerto Madryn, dem Eingangstor zur Peninsula Valdes, legten wir per Flugzeug und Bus zurueck. Die Strasse zwischen Buenos Aires und Rio Gallegos ganz im Sueden durchquert eine der monotonsten Landschaften Patagoniens. Die Entfernungen sind gross. So weit das Auge reicht sind nur kleine Straeucher und Buesche zu sehen - dazwischen waechst zerzaustes Gras. Doch die Muehen lohnen sich, denn dazwischen gibt es einige lohnenswerte Stopps. Puerto Madryn hat trotz den heranstuermenden Touristenmassen den Charme einer einst einsamen Hafenstadt bewahrt. Aneinander gereihte flache, weiss gekalkte oder in blassen Farben getuenchte, kleine quadratische Haeuser, ausnahmsweise zweistoeckig, zeigen eine Blaupause vieler argentinischer Kleinstaedte. Um nicht vom Touristenstrom mitgerissen zu werden, mieteten wir ein Auto, um die Peninsula Valdes auf eigene Faust zu erkunden. Die Halbinsel Valdes wird auch gern als Savanne der Meerestier bezeichnet, da sich vor ihrer Kueste reichhaltige Nahrungsressourcen finden lassen. Das Schutzgebiet hat eine Kuestenlaenge von ueber 400 Kilometer und ist die Heimat von Seeloewen, See-Elefanten, Magellanpinguinen und zahlreichen Seevoegeln. Die groesste - woertlich und im uebertragenen Sinn -  Attraktion der Halbinsel ist der bis zu 18 Meter lange Suedliche Glattwal.

Nachdem wir in Puerto Piramides eine Unterkunft gefunden hatten, organisierten wir fuer den naechsten Tag eine Walbeobachtung mit dem Boot und machten uns auf, um endlich die rüsselartig vergrösserten Nase der Seeelefanten live zu sehen. Am aeussersten Punkt der Insel trafen wir auf eine wunderbare Kuestenzone, an der es von Seeelefanten nur so wimmelte. Man durfte sich den Tieren nicht naehern und sie nur aus sicherer Distanz beobachten, was uns bei den bis 7 Meter langen und 3500 Kilogramm schweren Maennchen, die andauernd aggressiv ihre Position in ihrem Harem klarstellten, nicht schwer fiel. Die Bullen tragen heftige Kaempfe aus. Dabei werden juengere und schwaechere Bullen an den Rand der Kolonie verdraengt, wo sie unguenstigere Bedingungen vorfinden. See-Elefanten koennen bis zu 1400 Meter tief tauchen. Das wird ihnen dadurch ermöglicht, dass sie aufgrund ihrer Koerperfuelle ein enormes Blutvolumen haben, das viel Sauerstoff aufnehmen und speichern kann. Ausserdem wird die Taetigkeit von Organen (z.B. der Leber und der Nieren) wie bei Walen waehrend der Tauchgaenge heruntergefahren, um den Sauerstoff-Verbrauch einzuschraenken. Vom Strand entdeckten wir auch eine Gruppe von Orcas (Killerwalen), die sich bedrohlich einem Seeelefanten am Strand naeherten. Gerne haetten wir gesehen, wie ein Killerwal Seeloewen und -elefanten jagt: Die Orcas lassen sich naemlich an den Strand treiben und warten darauf, dass ihnen ein paar Unglueckliche von den Fluten vors Maul gespuelt werden. 

Der Wellengang am naechsten Morgen liess ein Auslaufen unseres Tito Bottazzi-Beobachtungsbootes zu. Bereits an Land "luden" wir unsere Kameras und machten sie "schussbereit". Bereits nach wenigen Sekunden tauchte unweit von unserem Schiff ein Wal auf, der saemtliche Linsen fokussieren liess; schliesslich wollte man sich ja kein Sujet entgehen lassen. Schon nach wenigen Minuten merkten wir, dass wir voreilig waren: In Griffnaehe tauchte neben dem Boot eine Walmutter mit ihrem Baby auf. Man musste fuerchten, dass der Wal uns "Huckepack" nimmt. Ein unerwartetes Naturerlebnis nahm seinen Lauf: Die Walmutter wollte ihrem Kleinen das Klatschen mit der Flosse aufs Wasser beibringen. Glattwale benutzen ihre Flosse oder stemmen ihre 30 Tonnen schweren Leiber aus dem Wasser, um Signale weiterzugeben. Im September und Oktober schwimmen die Glattwale in die flachen Gewaesser rund um die Peninsula Valdes, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und aufzuziehen. Nicht nur Forscher fotografieren die hornigen Hautwucherungen an Kopf und Koerper der Wale, um sie zu identifizieren; auch Mona trug mit ihren Fotos zur aktuellen Walforschung bei. Uns haben die Wale sprachlos gemacht, die Seeloewen in einer nahe gelegenen Bucht keinesfalls, denn die roehrten und bruellten wie ein "Lion King". Getreu ihrem Namen haben die Bullen eine lange Behaarung um den massigen Hals und gelten als sehr gefaehrlich. 

Mit dem schwarzen VW Golf jagten wir ueber Trelew, wo wir uns ordentlich verfuhren, 180 Kilometer Richtung Sueden. Punta Tombo ist der groesste Pinguin-Nistplatz in ganz Suedamerika. Am Parkeingang machte uns der Waerter darauf aufmerksam, dass wir die letzten 500 Meter bis zum Parkplatz im Schritttempo fahren sollen, da sich Pinguine auf dem Weg befinden koennten. Das befolgten wir auch, denn wir wollten ja keinen schwarz-weissen Magellan-Pinguin ueberfahren. Ueberrascht mussten wir dem Rat des Waerters Glauben schenken: Pinguine unter, vor und hinter gruenem Gestruepp soweit das Auge reichte. Bis zu einer halben Million Tiere sind bei Punta Tombo zu sehen. Im spaeten August gehen die Maennchen an Land und kaempfen im September, wenn Hoehlen und Nester gebaut werden, um ihr Territorium. Die Weibchen kommen spaeter an Land und nehmen den Nestbau zum Massstab, um ihren Partner auszuwaehlen. Dabei musste ich kurzfristig einem verspaeteten Pinguin helfen, der immer noch am Zweige zusammentragen war. Speziell ist, dass man die niedlichen Tiere in ihrer natuerlichen Umgebung erlebt: langsam vom Meer bis zu ihren Nistplaetzen watschelnd, manchmal hunderte von Metern weit. Wir verliebten uns in die kleinen Charmeure und haetten gerne einen mitgenommen.

Da uns die Kueste Argentiniens so gut gefiel, machten wir auf unserer Weiterreise nach Chile Halt in Carmen de Patagones. Im Hotel Spa, das seinem Namen durchaus gerecht wurde und neben einer finnischen Sauna auch Samba-Klassen anbot, erlebten wir eine urspruengliche argentinische Stadt, in der kein Englisch gesprochen wurde und man am Busbahnhof noch auf ein Taxi warten musste. Die Flusspromenade am Rio Negro lud zum Flanieren ein und wir fanden dort auch ein Restaurant, das fulminat in die Steak-Hitparade einschlug. Um Argentinien zu durchqueren, bedarf es eines Zwischenstopps, den wir im wirtschaftlichen Kernland, in Neuquen, einschalteten. In einem Hotelzimmer, das von aussen an ein Schweizer Chalet erinnerte, tankten wir zwei Tage Energie und kehrten dann den Gauchos mit einem weinenden Auge den Ruecken.

Fotos Argentinien II


Punta Tombo - Pinguine ohne Ende

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