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Mona sah diesem Bericht mit gewissen Bedenken entgegen, da sie fuerchtete, der Text ueber Buenos Aires wuerde zu einer Lobeshymne ausarten. Auch mit angepasster Nuechternheit laesst sich in den folgenden Gruenden unsere Begeisterung fuer die 3-Millionen-Stadt nicht verbergen. 13 Gruende, warum man Buenos Aires einfach gut finden muss:

- In San Telmo auf Pflastersteingaesschen durch den Antiquitaetenmarkt schlendern
- Sich von den regenbogenfarbigen Wellblechfronten der Haeuserreihen im Boca-Viertel blenden lassen
- Eine Siesta auf dem Plaza Mayo
- Mit dem Messer durch das saftigste Rindfleisch der Welt schneiden
- Nachtessen erst ab 22 Uhr
- Zum Preis von importiertem franzoesischem Mineralwasser an einem Glas purpurrotem Malbec-Wein sippen
- Sich durch koestliche Glacés schlecken, bei denen Moevenpick neidisch wuerde
- Die Parks von Palermo und das Naturreservat Costenera Sur joggend erkunden
- Bei Dunkelheit mit dem Taxi "2 fast 2 furious" durch die dunklen Nebenstrassen rasen
- Im Teatro Colon ein Tangokonzert geniessen
- Beim "Superclassico" River Plate gegen Boca Juniors in den Chor der 60'000 Fans einstimmen
- Shopping auf der Avenida Florida und Santa Fe
- In der Museumsnacht das kulturelle Interesse der Argentinier bewundern

Vom Flughafen mit dem Taxi ins Zentrum der Stadt fahren ist wie das Eintauchen in ein irrsinniges Gewuehl von Menschen, engen Haeuserschluchten und noch mehr Strassenverkehr. Mit der Avenida Rivadavia findet man in Buenos Aires laut Aussagen der Einheimischen die laengste Strasse der Welt: ueber 35 km lang, ihr Ende ungefähr bei Hausnummer 16.000. Nicht genug der Superlative faehrt man auf der Avenida 9 de Julio auf einer der 16 Fahrspuren. Stolze Prunkbauten stehen neben Gebilden aus der Moderne, die verdeutlichen, dass Buenos Aires den Schritt ins 21. Jahrhundert getan hat. Im vornehmen Stadtteil Recoleta fanden wir fuers Erste unsere Ruhe in einem mit Kunstgegenstaenden geschmueckten Hotel, mit unendlich hohen Raeumen, in denen man problemlos Volleyball spielen koennte. Der Zufall wollte es, dass gleich an unserem ersten Wochenende die Museumsnacht durchgefuehrte wurde. Gratis konnten wir die exzellente Kollektion des Museo de Arte Latinamericano de Buenos Aires (MALBA) besichtigen und uns im Evita-Museum ein Bild der in Argentinien vergoetterten, ehemaligen Praesidentengattin Eva Péron machen. Evita wurde im beruehmten Recoleta-Friedhof beigesetzt, einer Totenstadt bestehend aus vielen ueppig ausgestatteten Mausoleen aus Marmor.

"Ich folge dir ueberall hin, jeden Tag liebe ich dich mehr!" Diese Zeilen stammen nicht aus einem mit Herzschmerz getraenkten Liebeslied, sondern mit diesen Worten wurden die Spieler der Boca Juniors von ihren Supportern im Stadion Monumental ihres Erzfeindes River Plate empfangen. Treffen diese beiden Teams aufeinander, spricht man in Argentinien nur von einem "Superclassico" und dementsprechend schwer war es auch, Tickets zu kriegen. Nicht nur im beruehmt beruechtigten Heimstadion der Boca Juniors, der "Bombonera" (Pralinenschachtel), sondern auch in saemtlichen Fankneippen der Gegend blieb ich zunaechst erfolglos. Erst ein Mitarbeiter unseres Hostals konnte uns auf zahlreichen Umwegen zwei Eintrittskarten auftreiben. Das Boca-Viertel wurde vor vielen Jahren von Matrosen und Hafenarbeitern bewohnt, die ihre Haeuser mit alten, farbigen Teilen von Schiffen bauten. Die "Bombonera" wurde aus einem schwedischen Schiff gebaut, wovon bis heute die gelb-blauen Clubfarben herruehren. Noch heute ist Boca der Club der Arbeiter, das vornehme River Plate stammt aus einer besseren Gegend. Aufgrund schwerer Ausschreitungen im letzten Spiel, als die beiden Mannschaften aufeinandertrafen, waren die Sicherheitsmassnahmen aeusserst rigoros und streng. Dass Fussball in Argentinien eine Religion ist und dass bei soviel aufgestauten Emotionen selbst der Grossvater, begleitet von seinen Enkeln, den Stinkfinger zeigt, konnten wir am eigenen Leib mitverfolgen. River Plate gewann in einem engagierten und spannenden Spiel mit 3:1! Die Stimmung brodelte und die Fans rollten fuer ihre Schuetzlinge den wohl groessten Banner aus, den wir je gesehen haben.

Ein einmaliges Erlebnis ist auch der Besuch einer "parrilla", einem Steakrestaurant. Der Durchschnittsargentinier isst im Jahr rund 60 Kilogramm Rindfleisch. Ein so grosser Fleischbedarf setzt riesige Kohlegrills voraus, die wir in den unzaehligen Lokalen auch sahen. Ob es nun das nahrhafte Gras der Pampas oder der Verzicht auf Wachstumshormone und Antibiotika ist, die Steaks schmeckten auch uns vorzueglich. Noch lieber assen wir die Fleischstuecke jedoch mit einer schmackhaften Sauce und nicht wie die Argentinier nur mit Salz. Nach einem ausgiebigen Mal schlenderten wir gerne durch San Telmo, wo man um Mitternacht auf einigen Plaetzen Tango tanzende Paare sehen kann. Buenos Aires ist Tango! Die genauen Urspruenge sind heute nicht mehr zu ermitteln, sicher ist nur, dass der Tanz in den 1880er-Jahren im Boca-Viertel von Buenos Aires entstanden ist. Jung und alt tanzen noch heute, nur von einem "bandoneón", einem kleinen Akkordeon begleitet, diesen leidenschaftlichen Tanz. Dieses bedinglose Verlangen hoerten wir auch in der Stimme von Susan Rinaldi, einer Tangosaengerin, im Tetro Colon. Dieses wichtige Wahrzeichen der Stadt war das groesste Opernhaus der suedlichen Hemisphaere, bis 1973 das Opernhaus von Sydney gebaut wurde. Design hat definitiv Einzug gehalten in Buenos Aires: Nachdem wir ueber die von Calatrava entworfene "Puente de la Mujer" gelaufen sind, assen wir im exzentrisch ausgestatteten Restaurant von Phillippe Starck zu Abend.

Schweren Herzens fuhrern wir entlang dem Rio Parana mit dem Bus nach Rosario. Hier wurde von Manuel Belgrano die argentinsche Flagge entworfen und Che Guevara geboren, dessen Geburtshaushaus jedoch in keiner Weise seiner heutigen Legende gerecht wird. Wie schon in Buenos Aires fallen wir hier mit unserem europaeischen Aeusseren nicht mehr als Touristen auf und die Leute fragen uns sogar schon nach dem Weg! Am Strand des Rio Parana kamen wir uns vor wie in Italien, nicht nur weil wir die Einzigen mit Sonnenschirm waren, sondern auch, weil die Argentinier unserem suedlichen Nachbarn in ihrem Charakter sehr aehnlich sind. Tadellos gebraeunt entschlossen wir uns zu den beruehmten Iguazu-Wasserfaellen weiterzureisen. In 20-stuendigen Busfahrt mit aufmerksamem Service und einem "Cuepli" zum gezeigten Spielfilm kamen wir uns vor wie in der First-Class eines Flugzeugs. Nach einer ruhigen Fahrt auf sehr guten Strassen erwartete uns in Puerto Iguazu ein tropisches Klima und ueppige Vegetation. Die Iguazu-Faelle uebertrafen unsere kuehnsten Erwartungen. Die unvorstellbaren Wassermassen, die in den "Garganta del Diablo" stuerzen, machen nicht nur nass, sondern auch sprachlos. Neben dem "Teufelsschlund", der etwa 70% des vom Rio Iguazu gelieferten Wassers fuer sich beansprucht, fallen weitere 275 Wasserfaelle über eine Breite von 3 km in die Tiefe. Ein Naturschauspìel, wie wir es noch nie so gesehen haben.

Fotos Argentinien I


Wasserfaelle Iguazu - Garganta del Diablo

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