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Iquique war nach Calama unsere naechste Station und bot mit seinem von Hochhaeusern flankierten Strand und der einladeneden Strandpromenade, die sehr an Miami erinnerte, einen idealen Ort, um auszuspannen. Der Nitrat-Boom, der Anfang des 19. Jahrhunderts der Stadt viel Reichtum gebracht hat, ist noch in der stolzen, mit kolonialen Holzbauten gesaeumten Avenida Baquedano zu spueren. Die Kulisse erinnerte an einen Wild-West-Streifen, in dem John Wayne mit erhobener Pistole aus einem Saloon stuerzt. Abgeschossenen wurden wir jedenfalls nicht und hofften, dass uns das auch in den naechsten Tagen nicht passieren wuerde. Abenteuerlustig mieteten wir uns einen roten Toyota Pickup-Truck, mit dem wir die an der Grenze zu Bolivien liegenden Nationalparks durchqueren wollten. Ein auf unserem AVIS-Routenplaner nur gestrichelter Streckenabschnitt und die Aussage von unserem Autovermieter, dass dieser Passuebergang wohl zu umfahren sei, liess uns nicht von unserem Vorhaben abbringen.

Auch ausserhalb von Iquique hat der einst erfolgreiche Nitrat-Abbau, der Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der synthetischen Herstellung nicht mehr benoetigt wurde, seine Spuren hinterlassen. Ganze Retortenstaedte wurden von einem Tag auf den anderen verlassen und der Wueste preisgegeben. So wurde zum Beispiel Humberstone zu einer Geisterstadt, in der waehrend ihrer Bluetezeit bis zu 3000 Einwohner lebten und man auch heute noch die Infrastruktur aus den alten Tagen vorfindet, nur ohne einen einzigen Einwohner. Zwischen den alten Gebaeuden herrscht eine gruselige Atmosphaere. Man erzaehlt sich, dass es im alten Theater spuken soll. Wir konnten jedoch nichts Verdaechtiges hinter den grossen roten Buehnenvorhaengen finden. Schon von der Strasse aus konnten wir die archaeologisch groesste Darstellung eines Menschen, die 86 Meter hohe Bodenzeichnug des "Gigante de Atacama", sehen. Diese Geoglyphe, wie auch die weiteren Scharrbilder in Chile, konnte uns nach den grossartigen Nazca-Linien nicht begeistern.

Nach und nach naeherten wir uns der bolivianischen Grenze und die Strecke wurde zusehends holpriger. Der Pickup tat seinen Dienst, obwohl mir einige gemeine Schlagloecher den Ersatzreifen unter dem Chassi ins Gedaechtnis riefen und mich Mona besorgt fragte, ob ich denn schon einmal einen Reifen gewechselt habe. Die Temperatur sank mit der zunehmenden Hoehe bedrohlich, obwohl wir "chilly little Colchani", unser vom Reisefuehrer ruehrend beschriebenes Nachtlager, noch gar nicht erreicht hatten. Colchani bestand dann auch nur aus etwa 10 Haeusern, was die Uebernachtungswahl sehr erleichterte. Nach einer ueberraschend warmen Nacht in unseren Daunenschlafsaecken fanden wir am naechsten Tag nach kurzer Fahrt eine ungewoehnlich menschenverlassenes Dorf vor. Isluga, so hiess der Ort, wurde von den Indios nur fuer festliche und zeremonielle Zecke erbaut und liegt waehrend den uebrigen Tagen verlassen da. Das chilenische Altiplano unterscheidet sich vom bolivianischen und offenbart ganz neue, noch nicht gesehene Naturschoenheiten. Starke helle Gruentoene praegen das Landschaftsbild, weiter noerdlich kommt ein strahlendes Gelb, so wie wir es von Rapsfeldern kennen, hinzu. In einer Senke des Altiplano, die keinen Abfluss hat, erstreckt sich der gleissende Salzsee von Surire. Schmelzwasser aus den Bergen verdunstet hier und laesst eine aetzende Bruehe zurück, zehnmal so salzig wie Meerwasser.

Wegen dem starken Wind ist das Mittagessen nur im Pickup moeglich und auch sonst scheint ein Überleben hier kaum vorstellbar. Flamingos hingegen finden hier ideale Bedingungen vor, denn fuer sie enthaelt die Salzbruehe Nahrung im Ueberfluss - kleine Krebse. Staunend passieren wir zahlreiche Vicuñas, eine Kamelart, die uns mit ihren hervorstehenden unteren Schneidezaehnen auch fuer komische Wesen zu halten schienen. Im Nationalpark Las Vicuñas leben heute etwa 20´'000 Exemplare, nachdem sie vor einigen Jahren noch vom Aussterben bedroht waren. Nach der 2-taegigen Fahrt benoetigten wir dringend Treibstoff. Leider konnten wir auch in Putre keine Tankstelle finden, trafen aber einen hilfsbereiten Chilenen, der uns von seinem Lastwagen Diesel abzapfen liess. Nach erfolgreicher Hotelsuche goennten wir uns Erholung in den heissen Quellen von Jurasi, wo uns der Betreiber in die Geheimnisse des Schlammbadens einweihte. Als Dank nahmen wir ihn anschliessend mit dem Auto nach Putre mit, eine Strecke, die er sonst laufend jeden Tag in gut eineinhalb Stunden zuruecklegt. Der oeffentliche Verkehr ist in Chile bedeutend weniger stark ausgebaut als in Bolivien und Peru.

Oberhalb von Putre wacht die Cordillera ueber das beschauliche Bergdorf, unterhalb zeugen fruchtbare Felder von der landwirtschaftlichen Ausrichtung dieser Gegend. Der Nationalpark Lauca erhaelt seine zahlreichen gruenen Farbtupfer vom polsterfoermigen Strauch, der Ilareta. Mit ihrer kompakten Form, der grossen Haerte der Pflanzenteile trotzt sie den Elementen und hat sich auch schon auf Monas Trekkinghosen verewigt. Unter der duennen aeusseren Blattschicht befindet sich ein massives Holzgeflecht, so hart wie ein Baumstamm. Das dichte Polster der Llareta waechst nur wenige Millimeter pro Jahr. Grosse Polster sind vielleicht einige Tausend Jahre alt und gehören zu den aeltesten Pflanzen der Erde. Weil die Schneidezaehne der Vicuñas wie bei Nagern nachwachsen, können nur sie diese holzigen Straeucher fressen. Der Nationalpark ist hinreissend schoen: Wie gemalt stehen der perfekt kegelfoermige Vulkan Parinacota auf der windgepeitschten Hochebene und spiegelt sich im Juwel des Parks, der tiefgruenen Languna Chungara.

Vom Altiplano fuhren wir zurueck ans Meer. Durch die steilen Sandwaende des Lluta-Tals verloren wir immer mehr an Hoehe und erreichten die relaxte Wuestenstadt Arica, die neben Sandstraenden und hohen Wellen auch die aeltesten Mumien der Welt zu bieten hat. Im Museo Arqueológico liegen die Chinchorro-Mumien, die aeltesten einbalsamierten Leichname der Welt. Mit ihren schimmernden schwarzen und roten Gesichtsmasken und Koerperhuellen zaehlen sie zu den aufwaendigsten dekorierten Mumien aller Zeit und sind noch gut 2000 Jahre frueher entstanden als die aegyptischen Mumifizierungen. Uns blieb die Sprache weg, als wir die unzaehligen Fundschaetze sahen, die bis ins Steinzeitalter zurueckgehen und vom Wuestensand in ausserordentlicher Art konserviert wurden. Zum Abschluss konnte sich Mona kaum satt sehen an der reichhaltigen Speisekarte voll mit Merrestieren und unsere Rundreise fand ihr Ende in Iquique, von wo wir nach Buenos Aires weiterflogen.

Fotos Chile II


Nationalpark Lauca, im Hintergrund Volcan Parinacota

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