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Von Puno herkommend reisten wir in Desaguadero nach Bolivien ein. Freudig wurden wir von zahlreichen Geldwechslern empfangen und waren erstaunt, dass alles so speditiv und ohne Schmiergeld ablief. Neben den kargen Behausungen mutete die Ferrari-Karawane, die sich auf Suedamerika-Tour befand, ziemlich surreal an. Bolivien machte es uns von Anfang an nicht leicht, Gefallen an ihm zu finden. Unser geplantes Vorhaben, nach Copacabana zu reisen, wurde naemlich von schweren Strassenblockaden zunichte gemacht. Evo Morales, der erste Indio-Praesident des Landes und ehemaliger Vorsitzender der Coca-Bauern, sorgt mit seinem radikalen Kurs der Verstaatlichung momentan fuer erhitzte Gemueter.

Das erste, was in La Paz auffaellt, sind die unzaehligen Marktstaende, die die engen Strassen saeumen. Man findet hier alles, was das Herz begehrt: Von Lamafoeten fuer eine erfolgreiche Grundsteinlegung eines Haeuserbaus bis ueber Schwarzmarktartikel ist die Stadt uebervoll mit nuetzlichen und weniger brauchbaren Waren. Selbst unser Hotel war so reichlich mit allerlei Krimskram aus den 70er-Jahren ausgestattet, dass wir nicht ueberrascht gewesen waeren, John Travolta aus "Saturday Night Fever" hoechstpersoenlich auf dem Gang zu begegnen. La Paz hat eine lebendige Kulturszene, die auch verschiedene Events organisiert. Wir wussten nicht recht, was wir vom "Internationalen Jazzfestival Boliviens" halten sollten und entschieden uns fuer zwei Konzert "Jazz meets Latin". In noblen, roten Plueschsesseln des "Theatro Municipal" erlebten wir im ersten Konzert eine virtuose Melange der beiden Musikstile, im zweiten Konzert gesellte sich zu den typischen Jazzinstrumenten die allgegenwaertige Panfloete hinzu, was uns ein eher ungeniessbares Klangspiel à la "Peter & der Wolf" bescherte.

Ein unruehmliches Kapitel in der bolivianischen Geschichte schreibt die Strasse von La Paz nach Coroico. Unlaengst wurde ihr der fragwuerdige Titel der "World's Most Dangerous Road" - "Gefaehrlichsten Strasse der Welt" zugeschrieben. Die teilweise nur 3 Meter breite Schotterstrasse schlaengelt sich an ueberwucherten Abhaengen entlang ueber einen Hoehenunterschied von 3600 Meter in die Yungas. Jaehrlich stuerzen im Durchschnitt 31 Fahrzeuge in die Schlucht, wobei Trunkenheit und Uebermuedung die haeufigste Unfallursache ist. Es ist ratsam, die Strecke nicht in einem oeffentlichen Bus zurueckzulegen, da diese in den meisten Faellen betroffen sind. Mit drei verrueckten Israelis wollte ich mit dem Mountain Bike einen Augenschein vom schicksalstraechtigen Schauplatz nehmen und fuhr die nervenkitzelnde Route von fast 64 Kilometer downhill ab. Mona goennte sich eine erkaeltungsbedingte Pause. Mit dem Mountain Bike ist die Strecke nicht gefaehrlich und landschaftlich ein unvergessliches Schauspiel. Wenn man hingegen die schweren Trucks die Lehmstrasse "hochschnauben", die Truemmerteile im Tal und die vielen weissen Holzkreuze am Wegrand sieht, ist einem schon etwas mulmig zumute. Uebrigens ist eine neue Strasse im Bau, leider gibt es Probleme mit zwei Tunneneinstichen, die sich wegen falschen Berechnungen nicht treffen wollen.

Das archaeologische Ereignis in Bolivien ist die Tempelanlage von Tiwanaku, dessen Kultur fast 1000 Jahre grosse Teile Suedamerikas regiert hat und die Inkas in grossem Mass beeinflusst hat. Die Anlage verfuegt ueber ein interessantes Museum, leider ist die Ausgrabungsstaette nur mangelhaft restauriert und eher enttaeuschend. Nach unseren Ausfluegen assen wir gerne in den zahlreichen Restaurants in La Paz und fanden sogar das Lieblingsrestaurant von Verona Feldbusch, deren Mutter aus Bolivien stammt. Im Restaurant "Vienna" wurde Mona auf der Toilette von einem muskelbepackten Arnold Schwarzenegger, leider nur auf Poster mit Originalunterschrift, empfangen, der sich hier die noetigen Eiweisse fuers Workout holte.

Geplant war, dass wir mit dem Zug von Oruro nach Uyuni weiterreisen wuerden, Streiks im ganzen Land legten jedoch den Zugbetrieb lahm und wir nahmen erneut in einem ungeliebten Nachtbus Platz. Ehrlich gesagt hatten wir ein wenig genug von den Widrigkeiten der muehsamen Reiseplanung und entschlossen uns, Sucre und Potosi aussen vor zu lassen und direkt nach Sueden weiterzureisen. Einem Bolivianer auf Uyuni angesprochen entlockt man meist die Worte "harte frio" - "extrem kalt" und so war es ein Novum, dass wir uns schon im Bus in unsere Schlafsaecke einwickelten. Schon bald konnte man nicht mehr von einer Strasse sprechen und wir uebten fleissig "Schlafsackhuepfen".

Uyuni scheint wie aus einem John-Wayne-Streifen gegriffen; im ersten Moment scheinen die staubigen Strassen wie von Geisterhand leergewischt, bei genauerem Hinsehen erkennt man dann doch ueberall kauernde, sich mit Decken vor der beissenden Kaelte schuetzende Gestalten. Die Stadt lebt von dem nach ihr benannten Salzsee, der sich im Westen an die Stadt anschliesst und mit 12000 Quadratkilometer der groesste der Welt ist. Jaehrlich werden circa 20000 Tonnen Salz abgebaut. Mit groesster Sorgfalt machten wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Agentur, die uns durch den Nationalpark nach Chile bringen sollte, denn Berichte von schaebigen Unterkuenften und mangelhaftem Essen liess uns aufhorchen. Ein unabhaengiges Rating, das vom ortseigenen Tourismusbuero angeboten wurde, brachte uns zur Firma "Oasis", mit der wir am naechsten Morgen in einem gelaendetauglichen Jeep zum Salzsee aufbrachen.

Der Salar de Uyuni bietet ein einzigartiges Schauspiel: die glaenzend weisse Salzflaeche spiegelt nicht nur die umliegenden Vulkane, sondern auch die Sonnenstrahlen, was die Sonnenbrille zum unerlaesslichen Utensil macht. Mitten im Salzsee gibt es neben Salzhotels auch Inseln, wovon die "Isla de Pescadores" die eindruecklichste ist. Auf der Fischerinsel hat man nicht nur einen grandiosen Ausblick auf das strahlende Weiss, sondern Mona sah auch die riesigen Kakteen, die sie sich gewuenscht hatte. Neben dem Fahrer Domingo und der Koechin Severina, die zu den Klaengen von "Juanes" auf dem Beifahrersitz rhythmisch mitwippte, waren die vier "Crazy Chicks" Kate, Gemma, Tess und Denise mit von der Partie. Mona fuehlte sich sichtlich wohl, denn fuer die naechsten drei Tage war "Girl Power" angesagt. Ich meinerseits sorgte als DJ "Salty Fingers" via iPod fuer den passenden Sound und unterhielt mich gern und oft mit dem Schweizer Bruno, der im anderen Wagen der Kompanie mitfuhr und sich so nach 2-jaehriger Reisetaetigkeit wieder an den Schweizer Dialekt gewoehnen konnte. Gekonnt manoevrierte Domingo den Truck selbst durch fuer unsere Augen unwegsames Gelaende und wir genossen die Rauheit und die Abgeschiedenheit des Bolivianischen Altiplano. Begeistert waren wir von der starken Farbenpracht: Rosarote Flamingos watteten behaende durch gruene, weisse und sogar tiefrote Lagunen. Nach der letzten sehr frostigen Nacht goennten wir uns ein Bad in einer heissen Quelle und waren nach dem Grenzuebertritt nach Chile sichtlich erstaunt, wieder asphaltierte Strassen anzutreffen.

Fotos Bolivien / Chile I


Eine der unzaehligen Lagunen im Altiplano

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