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Nach einer Nachtfahrt in einem Bus, in dem es sich dank gut gemeinter Heissluftbelueftung anfuehlte wie in einem riesigen Staubsauger, kamen wir frueh am Morgen in Arequipa an. Eingebettet in einer Wuestenlandschaft fallen sofort die strahlend weissen Kolonialbauten auf, die Arequipa auch den Uebernamen der "Weissen Stadt" geben. Arequipa ist beruehmt fuer seine Sprachschule und so sahen wir schon am fruehen Morgen im Innenhof unserers Hotels eifrige Sprachschueler mit ihren Lehrern. Wir genossen das herrliche Klima von Arequipa: ein ewiger Fruehling mit 300 Sonnentagen im Jahr. Sehr sehenswert in Arequipa ist das Kloster Santa Catalina, in dem die Nonnen im 17. Jahrhundert den Spiess des zoelibaten Lebens umgekehrt haben und sich sogar Sklaven hielten. Der Papst hoechstpersoenlich musste eingreifen, um wieder fuer Recht und Ordnung zu sorgen.

Ganz in der Naehe von Arequipa liegt der beruehmte Colca Canyon. Im Schatten des Grand Canyon beansprucht er mit seinen bis zu 3000 Metern den Titel des tiefsten Canyons der Welt. Um die schwindelerregenden Steilhaenge zu sehen, muss man sehr weit in den 180 Kilometer langen Canyon hineinwandern. Wir jedoch waren auf etwas anderes noch viel gespannter: Wir wollten getreu dem Lied "El condor pasa" den beruehmten Koenig der Anden sehen. Auf holprigen Strassen fuhren wir bis zum viel versprechenden Aussichtspunkt "Cruz del Condor" in die Schlucht hinein. Schon von weitem konnten wir eine Gruppe von Kondoren erkennen, die bereits gekonnt die Thermik ausnutzten und sich an den steilen Felswaenden emporschraubten. Die Kondore hatten sichtlich Freude an den etlichen Besuchern, den sie glitten ganz tief ueber unsere Koepfe hinweg und liessen uns unsere Kameras fest umklammern. Der Kondor ist mit einer Spannweite von bis zu 3.2 Metern einer der groessten Voegel der Welt. Er ernaehrt sich nur von Aas und kann mit dem gespeicherten Fett in seinen Fluegelspitzen bis zu einer Woche ohne Futter ueberleben. Total fasziniert bestaunten wir noch lange die eleganten Flugkuenste der riesigen "Gleitflugtiere" und mussten aufpassen, ob der steilen Flanken den Boden unter den Fuessen nicht zu verlieren.

Der eigentliche Hausherr von Arequipa ist der Vulkan El Misti und seinem Namen entsprechend fuehrt er sich auch wie ein Koenig auf. Wir entschlossen uns, den Giganten zu besteigen und buchten ueber eine Agentur einen Fuehrer. Roy, ein peruanischer Playboy, der uns am naechsten Morgen in unserem Hotel abholte, machte auf Anhieb einen guten Eindruck auf uns. Unser Fahrer Piranha fuhr uns mit einem neuen Zeitrekord moeglichst nahe an den Berg heran, von wo wir das ganze Material inklusive Zelt und Schlafsaecke in einem 5-stuendigen Marsch bis ins erste Lager schleppten. Ich fungierte als Wassertraeger mit einer Last von zusaetzlich 10 Litern Wasser. Auf 4600 Metern schlugen wir unser Lager auf und schauten ehrfuerchtig in die Weite der peruanischen Pampa hinab, bis die Sonne langsam hinter dem benachbarten Vulkan Chanchani verschwand. Nach einem erstaunlich guten Pastagericht mit Spargelcreme schloffen wir in unsere Schlafsaecke, denn um 2 Uhr in der Nacht wollten wir zum Gipfelsturm loslegen. Der Aufstieg ueber Geroellfelder und kleinere Kletterpartien war anstrengend und enorm kalt und wir bezweifelten die Isolierfaehigkeit der gemieteten Trekkingschuhe. Mona fuehrte die Gruppe direkt hinter Roy an und liess sich auch durch einen schmerzhaften "Kuhnagel" nicht aus dem Rhythmus bringen. Gegen 8 Uhr war es dann soweit: Ein 10 Meter hohes Eisenkreuz war das Zeichen, dass wir den Gipfel auf 5822 m.ü.M erreicht hatten. Der Blick auf die umliegenden Vulkane und den massiven Krater entschaedigte fuer die Strapazen. Ueber endlose Lavaaschenfelder rutschten wir mit bedeutend weniger Kraftaufwand dem Lager entgegen.

Nachdem wir unsere Energietanks bei einem vorzueglichen Italiener in Arequipa, sogar ans Tirami-Su habe ich mich gewagt, wieder vollstaendig aufgefuellt hatten, machten wir uns auf den Weg Richtung Titicaca-See. In Puno, einer Stadt direkt am See gelegen und bekannt fuer ihre notorische Kaelte, wanderten wir weiter auf italienischen Pfaden: Unser Hotel hiess “Don Julio”.  Wir kamen nicht umhin, uns eine Zimmerheizung zu leisten. Fast 4000 Meter ueber dem Meeresspiegel liegt der Titicaca-See. Damit ist er einer der hoechstgelegenen schiffbaren Seen der Welt. Er ist etwa 15-mal so gross wie der Bodensee: ein eiskaltes, tiefblaues Meer in der unwirtlichen,scheinbar unendlichen Hochebene des Altiplano, die sich von Suedperu bis nach Bolivien erstreckt. Um die Schoenheit des Sees zu erleben, fuhren wir fruehmorgens hinaus aufs "Meer der Anden". Nach einer halben Stunde erreichten wir die Schwimmenden Inseln der Uro. Zur Zeit der Inka flohen die Uro aufs Wasser und bauten ihre Haeuser fortan mit Schilfgras im Titicaca-See. Natuerlich liessen wir es uns nicht nehmen, mit einem Kanu aus Schilfgras zur naechsten Insel zu fahren. Der Tourismus hat hier definitiv Einzug gehalten und wir fragten uns, ob die Uros neben den Touristen noch andere Einnahmequellen haben.

Die naechste Station war die Insel Taquile, die vor allem fuer die Handwerkskunst der Maenner bekannt ist. Ueberall auf der Insel trifft man strickende Maenner an, denn die Feinheit ihrer Strickwaren definiert die Chancen auf dem Heiratsmarkt. An einem Ort, an dem die Inselbewohner nur unter sich heiraten und eine Scheidung nicht toleriert wird, scheint eine glueckliche Partnerwahl immanent wichtig zu sein. Doch keine Angst: Stricknadeln sind mir nach wie vor fremd und ich habe der Einfachheit halber eine Wollmuetze aus Schafswolle auf einem Markt erworben. Um einen Einblick in das Inselleben zu gewinnen, verbrachten wir eine Nacht in einem Dorf, ohne Elektrizitaet und fliessendes Wasser, und genossen am naechsten Morgen den weissen Sandstrand an der Spitze der Insel. Zurueck in Puno machten wir einen Ausflug zu den mysterioesen Begrabungstuermen bei Sillustani. Die bis zu 12 Meter hohen Tuerme beherbergten einst die Koerper von noblen Familien, die auf diesem Weg all ihre Besitztuemer und ausreichend Nahrung in die naechste Welt mitnehmen wollten. Die Tuerme heben sich majestaetisch von rollenden Huegeln rund um den Lago Umayo ab und sind so komplex gebaut, dass sie die Archaeologen bein Wiederaufbau verzweifeln liessen (Fuer Jan: Ein Fall fuer dich!).

Fotos Arequipa - Lago Titicaca


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