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Nach ausreichender Akklimatisation in Cusco fuehlten wir uns bereit, auf den Spuren der Inka-Laeufer den beruehmten Inka-Trail anzutreten. Interessant ist, dass die Inkas waehrend ihrer Herrschaft zwischen Kolumbien und Chile ein Strassennetz von mehr als 30.000 Kilometern angelegt haben. Dock keine Angst, wir hatten uns nur einen Abschnitt von gut 42 Kilometern zum Ziel gemacht. Der Trail war bis 2002 auch auf eigene Faust zu machen, doch die ueberbordende Zahl der Trekker und die sich anhaeufenden Abfallberge zwangen die Verantwortlichen zu der Weisung, dass der Pfad nur noch ueber eine Agentur mit Fuehrer begangen werden kann. Frueh am Morgen trafen wir uns mit unserem Fuehrer Americo und dem kanadischen Paar Steven und Jacinthe am Beginn des Trails, wo zuerst unsere Bewilligungen ueberprueft wurden. Eine lange Tradition auf dem Inka-Trail haben die Traeger: Es gehoert sich, dass man neben den Traegern des ganzen Kuechenmaterials und Zeltlagers auch einen persoenlichen Porter anheuert, da dies fuer die Bauern im Urubamba-Tal wichtige Arbeitsplaetze bedeuten. Es gibt eigentlich nur wenige geizige Nationen (Fuer Didi: Du darfst raten!), die gaenzlich darauf verzichten.

Der Trek erstreckt sich ueber 4 Tage, wobei die Anzahl der gelaufenen Kilometer taeglich variiert. Der erste Tag erweist sich als nicht sehr malerisch, da man die Zivilisation immer noch im Ruecken glaubt. Auf einer Ebene auf 3800 Metern wurden wir von einer Herde von Alpacas empfangen: ein idyllischer Ort fuers erste Zeltlager. Weniger erfreulich war, dass waehrend dem Nachtessen ploetzlich Schneefall einsetzte und die Traeger einen behelfsmaessigen Abflusskanal puddeln mussten. Das Zelt, dass wir zur Verfuegung gestellt bekamen, haette eigentlich fuer mich alleine gereicht; wenn ich mich diagonal ausgestreckt haette. So war der Schlaf infolge harter Unterlage und gekruemmter Haltung nicht so tief wie sonst. Nach kalter Nacht und dem morgentlichen Coca-Tee, den Mona im ganzen Zelt verschuettete, fragten wir uns noch, warum der heute zu bewaeltigende Pass uebersetzt aus der Indio-Sprache wohl „Pass der toten Frau“ bedeutet. Gleichmaessigen Schrittes liefen wir den Trampelpfad hoch und wurden auf der Passhoehe mit einer herrlichen Aussicht in ein ungemein vegetationsreiches, gruenes Tal belohnt. Mona machte sich vor dem Trek Sorgen, ob sie den Anstrengungen gewachsen sei. Diese Bedenken loessten sich nun in Luft auf, denn sie hatte dank den Hoehentrainings den schwersten Anstieg ohne Probleme gemeistert.

Die Inkas errichteten entlang des Treks verschiedene Gebaeude mit teils ganz unterschiedlichen Funktionen: Man begegnet Tempeln, Unterkuenften, Kontrollposten, Vorratskammern und anderen Bahausungen. An vielen Orten konnten wir uns nicht erklaeren, wie man an so exponierten Stellen ueberhaupt etwas bauen kann. Dies machen die viel sagenden Namen wie „Stadt ueber den Wolken“, „All ueberragende Stadt“ oder einfach „Fuer immer jung“ nur noch deutlicher.  Beeindruckt haben uns aber auch die Traeger, die mit Sandalen aus Autoreifen und einem Maximalgewicht von 20 kg, die tueckischen Stufen hoch- und hinunterjagen. Die Lasten werden mit traditionellen Tuechern auf den Ruecken geschnuert und ein Porter erzaehlte stolz, auf seine Sandalen angesprochen, dass er auf sie 25 Jahre Garantie habe. Befluegelt vom abendlichen Lauftraining vergriff ich mich beim Nachtessen etwas zu heftig an den frittierten Wontons, was mich bereits in der folgenden Nacht oefter aus dem Zelt zwang. Ungewohnte Appetitlosigkeit und anhaltende Schwaeche machten fuer mich den dritten Tag zu einer kleinen Tortur. Mit Muehe, Not und Monas Hilfe erreichte ich schliesslich trotzdem das dritte und letzte Zeltlager (Fuer Yves: Erinnerst du dich an den Gigathlon 2005?).

Machu Picchu, die verlorene Stadt der Inkas, wurde so inszeniert, dass man den ersten Blick auf die Gebaeude durch das Sonnentor wirft. Umso eindruecklicher muss es sein, diesen Anblick bei Sonnenaufgang zu erleben, was uns mitten in der Nacht aus unseren Schlafsaecken kriechen liessen, um das letzte einstuendige Wegstueck unter die Trekkingschuhe zu nehmen. Verstaendlicherweise waren wir nach den Strapazen ein wenig enttaeuscht, als wir beim Sonnentor angekommen die Ruinen in Wolken eingehuellt vor uns sahen. Doch die Sicht klarte langsam auf und wir sahen endlich, wie ungemein gekonnt die Inkas die Gebaeude an den Berg Huayna Picchu gebaut haben. Lange Zeit lag die Stadt, die nie von den Spaniern erobert wurde, vergessen und vom Urwald ueberwachsen da, bis der Englaender Hiram Bingham sie im Jahre 1911 wiederentdeckte. Von weitem bleibt einem schlichtweg die Sprache weg, wenn man den Puma und den Kondor sieht, die mittels Landschaft und Baukunst von den Inkas modelliert wurden und der Stadt ein goettliches Gesicht geben (Siehe Skizze und Foto). Wir liessen es uns nicht nehmen, unser Wetterglueck am naechsten Tag nochmals zu versuchen und wurden von einem Machu Pichu mit Sonnenschein empfangen, was die Stadt noch mehr erstrahlen liess.

Zwei Drittel von Peru werden vom Dschungel bedeckt. Da wir schon lange gerne in den Dschungel wollten, buchten wir in Cusco eine 7-taegige Tour. Um mitzuerleben, wie sich die Vegetation aendert, entschlossen wir uns fuer die Ueberlandvariante. Nach dem Ueberqueren des kargen Andenkamms aenderte sich die Landschaft schlagartig; immer mehr Tannenwaelder waren zu erkennen und allmaehlich wandelte sich der Nebel- zum Regenwald. Der Manu Nationalpark hat etwa die Flaeche von Wales und bietet die groesste Artenvielfalt der Welt: Man findet 1000 verschiedene Vogelarten und 13 unterschiedliche Affenarten. Nur ein kleiner, strengstens geschuetzter Teil des Parks ist fuer Besucher zugaenglich, im anderen Teil sollen noch Eingeborenenstaemme leben, die keinen Kontakt mit der Aussenwelt haben. Um das Ecosystem nicht zu gefaehrden, kann man auch hier den Park nur mit einem Fuehrer betreten. Unser Fuehrer José wollte dann auch sofort wissen, warum wir ihm keine Schokolade aus der Schweiz mitgebracht haben. Kaum stieg die Luftfeuchtigkeit an, schwirrten auch schon kleine Plaggeister um unsere Koerper und wir merkten schnell, dass unser Schweizer Mueckenspray sie mehr amuesierte als abschreckte. Mein Blut mochten sie besonders gern. Die Amerikaner in unserer Gruppe, die uebrigens alle bereits eine prophylaktische Malaria-Kur hinter sich hatten, halfen uns mit hartem „Spruehstoff“ aus.

Mitten in der zweiten Nacht wachte ich ploetzlich auf. Beim Anfassen des Mosquitonetzes merkte ich, dass irgend etwas daran zog. Es war mir mulmig zumute, als ich aus dem Bett kroch und nach meiner Taschenlampe griff. Was da neben meinem Kissen sass, war nichts Geringeres als ein Kapuzineraffe. Was macht man mitten in der Nacht, wenn es sich ein Affe in seinem Bett bequem gemacht hat?  Mona war unterdessen auch aufgewacht und wir entschlossen uns, den Aufseher zu holen, der den Affen mit einer Schaufel verjagte. Mir war es im Folgenden nicht mehr so wohl in meinem Bett und ich legte mich zu Mona. Kurze Zeit spaeter waren Geraeusche auf dem Dach zu vernehmen und als wir mit der Taschenlampe auf mein Bett leuchteten, war klar, dass der Affe wohl die Nacht mit uns verbringen wuerde.

Die Strasse fuehrte nicht mehr weiter und wir fuhren mit dem Boot auf dem Amazonas-Nebenfluss Madre de Dios tiefer in der Regenwald. Wir merkten schnell, dass sich die Landschaft wohl in den naechsten zwoelf Stunden bis zu unserem Camp nicht mehr aendern wuerde und kompensierten den verlorenen Schlaf der letzten Nacht. Allzu haeufig wurde unser Schlaf von "aufregenden" Vogel-Beobachtungen unterbrochen. Das Urwald-Camp gefiel uns sehr gut; wir wohnten in einem kleinen Zelthaeuschen umgeben von tausend Geraeuschen und undurchdringbarem Wald. In den folgenden Tagen unternahmen wir einige Walks im Regenwald und versuchten die hier lebenden Tier wie Jaguar, Affen, Schlangen, Kaimane und Papageie zu sichten. Ehrlich gesagt waren diese endlosen Spaziergaenge vor allem fuer mich eine wahre Zerreissprobe, da ein dreistuendiger Walk im besten Fall mit einer Affengruppe und einem schlafenden Alligator belohnt wurde. Es ist sehr schwierig, vor allem Saeugetiere zu sehen, da sie sich bestimmt nicht in der Naehe von Trampelpfaden aufhalten. Selbst unser Fuehrer José hat bis jetzt in seiner nunmehr 6-jaehrigen Laufbahn erst 22 Mal einen Jaguar zu Gesicht bekommen. Auf jeden Fall kann man sich im Urwald kostenlos die Lippen schminken (Siehe Bild).

Den Weg zurueck nach Cusco wollten wir mit dem Flugzeug zuruecklegen. Bereits vor unserer Abreise warnte uns die Agentur in Cusco vor eventuellen Verzoegerungen, da die Landebahn direkt in den Regenwald geschlagen wurde und bei starkem Regen oder schlechter Sicht nicht anzufliegen war. Tatsaechlich wurde der Flug auf den naechsten Tag verschoben. Etwas veraergert mussten wir im naechsten Dschungeldoerfchen eine Unterkunft suchen, was dazu fuehrte, dass Stuart, John und ich in Trekkingschuhen bei einem Training des FC Boca Manu mittun durften. Mona kam am Spielfeldrand mit dem Nachreichen von Wasser und Cola kaum nach, da die Luftfeuchtigkeit den Schweiss nur so aus dem Koerper schwemmte. Der Kommunikation laesst in Peru gelegntlich zu wuenschen uebrig und wir waren umso ueberraschter, als sich der Pilot am kommenden Morgen fuer die Verzoegerung entschuldigte und uns als Wiedergutmachung einen Abstecher ueber Machu Picchu anbot. Beim Ueberflug hatten wir Traenen in den Augen, denn wir sahen Machu Picchu, wie es eigentlich nur fuer die Goetter bestimmt war.

Fotos Inka-Trail - Manu Nationalpark


Machu Picchu, Peru

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