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Australien streiften wir nur in einer kurzen Stippvisite, vorderhand um herauszufinden, ob uns der gigantische Kontinent auch fuer einen laengeren Aufenthalt fesseln wuerde. Eingefleischte Aussie-Fans, die manchmal fiebrig davon traeumen, als Crocodile Dundee im Outback Abenteuer zu erleben, und im Hinterhof heimlich Bumerangs werfen, sollten an dieser Stelle zur Fotogalerie wechseln (Fotos Australien); allen anderen, die an einer kritischen, teilweise sicherlich subjektiven Berichterstattung interessiert sind, duerfen gerne Weiterlesen. Surfari an der Golden Coast, Abseilen in den Blue Mountains, Bridge Climb als Hochseilakt ueber die Bruecke am Hafen; unzaehlige "das Leben veraendernde" Attraktionen springen uns von Plakatwaenden am Flughafen in Sydney ins Auge. Alles wird touristisch ausgeschlachtet und macht Australien nebenbei zu einem sehr komfortablen Reiseland. Doch Komfort hat seinen Preis, die Reisekasse wird pulverisiert. In der Naehe des beruehmt beruechtigten Viertels Kings Cross finden wir ein Zimmer in einer Jugi, die mit seinen vielen jungen Leuten einen dynamischen Groove versprueht.

Bereits am ersten Tag besichtigen wir die wichtigsten Highlights in Downtown Sydney. Beim Darling Harbour fragen wir uns zum ersten und nicht letzen Mal, ob wir auf dem richtigen Kontinent sind, die Umgebung sieht aus wie irgendwo in den Vereinigten Staaten. Der Eindruck setzt sich fort, wir gehen weiter durch die sehr belebte Downtown zum Queen Victoria Building mit seinen vielen Boutiquen und Restaurants. Hier kann man unter anderem auch koenigliche Juwelen aus England und einen chinesischen Brautwagen aus Jade bewundern. Die Szenerie am Circular Quay, umringt von Wolkenkratzern und Knotenpunkt der so wichtigen Faehrverbindungen, vermag zu beeindrucken, zumal man auf der einen Seite die schwerste und gleichzeitig laengste Bogenbruecke der Welt, von den Einheimischen liebvoll nur Kleiderbuegel genannt, und auf der anderen Seite die eigenwilligen Faecher der Oper bewundern kann. Elegant entblaettert sich das Opernhaus vor seinem Besucher und man merkt, dass man eines der markantesten und beruehmtesten Gebaeude des 20. Jahrhunderts vor sich hat. Leider hat es Sydney nicht verstanden, ihrem ambitioesem Bauprojekt, das anstatt den urspruenglich veranschlagten Baukosten von 7 Millionen Australischen Dollar am Ende ueber 100 Millionen Dollar verschlungen hat, einen wuerdigen Rahmen zu verschaffen und gleich nebenan einen haesslichen Bauklotz gepflanzt.

Australien lebt von seiner Surf-Kultur: Braungebrannte Wellenreiter mit Billabong-Hosen so breit wie Segel sieht man vielerorts, mit Vorliebe jedoch am Bondi Beach. Von der Suedsee her sind wir uns einiges gewohnt was Sonnenbaden anbelangt und so pilgern wir zum beruehmtesten Strand von Sydney. Da liegen sie in der stechenden Sonne, die Luxuskoerper auf gluehendem Sand, kein Sonnenschirm ist zu sehen. Das ist selbst Mona, die sich unter ihrem mitgebrachten Regenschirm versteckt, zuviel. Die Krebsliga haette hier keine Freude, vor allem wenn man bedenkt, das auf dem fuenften Kontinent die Sonne zur Gefahr geworden ist. Das Land hat die hoechste Hautkrebsrate der Welt. In den Wellen tummeln sich die Surfer, die geschickt die Kraft der brausend rollenden Wellen ausnuetzen. Die Atmosphaere ist sehr "laid-back", der typische Stadt-Strand geizt nicht mit seinem Charme. Was die Surfer fuer die Bewegungsmenschen, sind die Koalas fuer die gemuetlichen Gemueter. Um Energie zu sparen, schlafen sie bis zu 20 Stunden am Tag. Ein Waerter im Zoo von Sydney erzaehlt uns, dass 10 Angestellte vollzeitig damit beschaeftigt sind, die von den Tiere geliebte Eukalyptuspflanze zu kultivieren. Und das ist gar nicht so einfach, denn in ganz Australien essen die Feinschmecker nur etwa 5-10 von den ueber 500 bekannten Eukalyptusarten. Wir hingegen nutzen das gesamte kulinarische Angebot, das Sydney zu bieten hat. Die Pestosaucen konnten sogar Simone, die auf ein altes italienisches Rezept vertraut, ueberzeugen. Sydney ist ein Ort mit hoher Lebensqualitaet, kann aber unserer Meinung nach mit anderen Weltstaedten nicht ganz mithalten.

5 Stunden fliegen wir uebers Outback, das naechte Ziel ist der Ayers Rock. Unter uns nur Oedland fernab der Zivilisation, es umfasst beinahe drei Viertel der Flaeche Australiens. Unter dem rechten Fluegel erkennen wir ein schwarzes Plateau, dessen Farbe jedoch anders ist, als wir es von Postkarten in Erinnerung haben. Spaeter finden wir heraus, dass es sich um den Mt. Conner handelte. Die Raeder des Flugzeugs nehmen schon Bodenkontakt, da ist es soweit: Das leuchtende Rot der unverkennbaren Sandsteinform leuchtet uns entgegen, der Uluru, der heilige Berg der Aborigines. Mit den Worten "Es gibt nicht viele Strassen hier" haendigt uns der AVIS-Mann eine fotokopierte Skizze des Strassenkreuzes im Ort Ayers Rock aus und ich denke mir: "Falsch abgebogen, nach 100 Meilen gemerkt." Wir fahren in die Richtung, wohin sich die Sonne nicht bewegt und kommen nach einer endlosen Geradeausfahrt durch staubtrockenes Outback beim Kings Canyon an. Befreiend stemmen wir unsere Arme in die 42-graedige Luft, die wiedergewonnene Bewegungsfreiheit tut nach langer Sitzhaltung gut. "Findet in diesem Ort ein Imker-Festival statt oder sind die Australier passionierte Bienenzuechter", kommt uns als erstes in den Sinn, als wir ueberall die mit Netzen ueber dem Kopf herumlaufenden Menschen sehen. Vor dem Einfall der erbarmungslosen Hitze starten wir fruehmorgens, um den Canyon am Rand entlang zu umrunden. Kaum fliesst beim ersten Anstieg ein wenig Schweiss, werden sie wachgerufen, die laestigsten Plagegeister, denen wir je begegnet sind. Ueberall schwirren kleine Fliegen herum, verrueckt nach unseren Ausduenstungen lassen sie sich auf dem ganzen Koerper nieder, wollen sich Einlass in Ohren, Augen und Nase verschaffen. Wie ein Beduine wickle ich mir meinen Pullover um den Kopf, dadurch laeuft mir der Schweiss in Stroemen herunter, was die Viecher nur noch mehr anlockt. Die Erosion hat am Kings Canyon bizarre Formen aus dem Stein geformt, wabenfoermige Huegel bilden eine "verlorene Stadt". Die regenbogenfarbenen Schluchtwaende stuerzen in ein unerwartet fruchtbares Flussbett, das an seinem Ursprung "Garten Eden" genannt wird. Doch im Paradies herrscht Aerger, die Fliegen sind auch hier los. Uns erwartet eine weitere Fahrt durchs Outback, vier Stunden ohne eine markante landschaftliche Veraenderung, Weite im Ueberfluss.

"Die unermesslichen Platzverhaeltnisse ziehen mich immer wieder zurueck nach Australien", erzaehlt uns der Schweizer Stefan aus dem Toggenburg, der mit seinem Kleinbus schon 14'000 Kilometer durchs australische Hinterland gefahren ist. Der Horizont zieht auf direktestem Weg von links nach rechts durch Blickfeld, fuer einige ist das Freiheit, fuer uns wird es allmaehlich zu Monotonie, zu einem Fehlen von neuen Reizen. Wenn sich dann aber unvermittelt ein laenglicher roter Sandsteinblock aus der Ebene schiebt, dann ist das eine vollendete Inszenierung, ein energiegeladenes Spannungsmoment. Der "Stein" ist eine natuerliche Skulptur, wie man sie nur einmal auf der Welt bestaunen kann. Eine formbare Plastik wie von Geisterhand geschaffen, den zeitlosen, amorphen Formen von Salvador Dali nachempfunden. Von weitem ganz gleichfoermig, zeigt er aus der Naehe ungeahnte, reizvolle Unregelmaessigkeiten: Loecher, Quellen, Bassins und zerbrechlich poroese Oberflaechen. Seine Farben wechseln von Feuerrot ueber Blau nach Purpur und geben ihm ein Gemuet, dessen Stimmungen fuer uns spuerbar sind. Nur ein Stein und trotzdem zieht er seine Besucher in seinen Bann. Der Ayers Rock ist kein Monolith, sondern eine durch Plattenverschiebung aus dem Untergrund gedrueckte Gesteinsschlacke, die auch die Olgas gebildet hat. Diese sind nur wenige Kilometer entfernt und sehen aus wie die Handknoechel der riesigen Hand, die den Uluru geformt hat.

Mit einer von uns als befremdlich empfundenen Verherrlichung der Aborigines-Kultur wollen die weissen Australier das Unrecht mildern, das den Ureinwohnern wiederfahren ist. Die Integration in die Gesellschaft ist nicht sichtbar, wir kommen nur in den unangehmen Kontakt mit betrunkenen Aborigines. Auch in Perth sehen wir einige verwahrloste Ureinwohner auf den Strassen herumlungern. Die Stadt ist Ausgangspunkt, um die einsamen Kuesten nordwaerts und die gewaltigen Waelder suedwaerts zu erkunden. Zum ersten Mal auf unserer Reise finden wir kein Zimmer, und das in einer solchen Riesenstadt, mieten notgedrungen ein Auto und fahren nach Sueden. Da man in Australien von einem Ort zum naechsten glatt 3 Stunden im Auto sitzen kann, sind wir froh, ausserhalb von Perth in einem ueberteuerten Bed & Breakfast eine Bleibe zu finden. Beim Fruehstueck lernen wir unsere Mitgaeste kennen: eine australische Grossfamilie, die sich nach dem vorabendlichen Rodeo-Festival mit Ei und Speck staerkt. Eine Frau gibt sich alle Muehe, den ballistischen Ursprung des Wortes "Lachsalve" akustisch zu verdeutlichen. Schnurgerade zieht sich die Strassen bis zu den Klippen von Albany, Mona schlaeft auf dem Beifahrersitz, da sie nichts verpassen wuerde. Ich druecke das Gaspedal durch. Stundenlang Baeume im Sichtfeld, im Rueckspiegel Gehoelz, wir fuehlen uns auf dem Holzweg. Das "Valley of the Giants" verspricht Grosses, haette eindruecklicher sein koennen. Unsere Schlaufe zieht sich ueber Augusta, wo sich der indische und pazifische Ozean treffen, ueber die Weinregion um Margret River zurueck nach Perth. Gelangweilt brausen wir durch schablonisierte Staedtchen, noch mehr Waelder und besuchen Sehenswuerdigkeiten, die keine sind. Insgeheim freuen wir uns schon auf Asien und trauern dem erlebten kulturellen und landschaftlichen Reichtum von Suedamerika nach.

Fotos Australien


Downtown Sydney

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