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Sprachlos schauen wir aus der kleinen Luke unseres Air Rarotonga-Flugzeugs auf die türkisgrün schimmernde, dreieckige Lagune von Aitutaki hinab. Wir grüne Perlen umkränzen 15 winzigen Inseln, einige vulkanischen Ursprungs, andere von Korallen gebildet, das 12 Kilometer breite und 15 Kilometer lange Einod. Aitutaki gehört mit 14 weiteren Inseln zu den nach dem berühmten Kapitän benannten Cook Islands, die sich zum grössten Teil selber regieren, jedoch zu Neuseeland gehören. Nach dem französischsprachigen Tahiti wird hier Englisch mit einem breiten neuseeländischen Akzent gesprochen. Kaum gehen wir von der Landebahn unter sichelförmigen Schild, auf dem "Visit a piece of heaven on earth before you go there by yourself" steht, hindurch, hören wir auch schon das melodiöse Scheppern einer Ukulele, das uns in den folgenden Tagen nicht mehr los lassen wird. In der Eingangshalle steht auf einem Podest ein offenes, tropisches Palmenhaus, in dem ein Musiker mit tiefer Barry-White-Stimme Liebeslieder aus der Südses zum Besten gibt. Die Passkontrolle geschieht ohne Computernetzwerk, nur die vielen Stempel in unseren Pässen mustert der Beamte verwundert interessiert. Schon nach wenigen Minuten Busfahrt sind wir im Inselinneren und wissen: Das muss es sein, das Südsee-Paradies.

Vom feinkörnigen, weissen Sandstrand bis zum Aussenriff zieht sich die "Blue Lagoon" hin, die vielen Korallenburgen bilden dunkle Farbtupfer. Am steil abfallenden äusseren Riff werden die hohen heranrollenden Wellen, die ein schämendes, sich aufbäumendes Halsband um Aitutaki legen, gebrochen. Zu Fuss machen wir uns auf, die Insel zu erkunden, merken jedoch schnell, dass es hier nur ein adäquates Verkehrsmittel gibt: den Roller. Arutanga, das Zentrum von Aitutaki, ist genau genommen kein Dorf, die Streuung der Bungalows entlang der Strasse ist hier nur nicht so gross. Nur an wenigen Stellen hat man keinen freien Blick aufs Meer, der Strand ist wenig verbaut. Die Atmosphäre ist "supertranquillo", sehr gemächlich, alles ist verschlafen, man jagt nicht der Zeit hinterher, nein, hier wird man von der Zeit gejagt. Das widerstrebt unserer Mentalität, braucht zuweilen viel Geduld und schafft es doch, einen in ein süsses Nichtstun einzulullen. Dies färbt auch auf die Internetverbindungen ab: keine bits per minute, sondern Buchstaben pro Minute werden übermittelt. Doch für Müsiggang bleibt keine Zeit, schliesslich müssen wir unsere Hochzeit vorbereiten.

Bereits von unterwegs haben wir uns mit Annie Bishop in Verbindung gesetzt. Nomen est Omen organisiert sie neben den bekannten Bishops Lagoon Cruises auch Hochzeiten. In der Schweiz haben wir schon einige Hochzeiten miterleben dürfen, konnten auch unsere Erfahrungen sammeln. Doch halten schweizerische Standards auch den tropischen Anforderungen stand: Das Kleid sollte auch bei feuchtem Klima im Stehen sitzen und die Frisur dem salzigen Pazifikwind trotzen. Die "zackige" Australierin Annie wusste Bescheid, in ihren Händen fühlten wir uns gut aufgehoben. Das Hotel für unsere Flittertage hatten wir schon reserviert. Mit Ross, einem Küchenchef aus Zimbabwe, besprechen wir unser Weddingdinner. Für Mona wird ein Termin im hoteleigenen Beautysalon abgemacht, fürs Hairstyling sollen wir uns bei Aunty Kay im Souvenirladen beim Pier melden. Bei Tante Kay, einer fülligen, schwarzen Mama, muss man sich einfach ruhig fühlen, ihr "No Problem" auf jede Frage liess selbst Mona zur Ruhe kommen. Wir waren also bereit, in den Hafen der Ehe einzufahren.

Der Hafen in Aitutaki ist mehr für den Gütertransport ausgerichtet, so entschieden wir uns für den idyllischen Strand auf dem kleinen Motu "One Foot Island". Diese Insel am Rande der Lagune erhielt ihren Namen von einer Legende aus alter Zeit. Ein Krieger wollte einst mit seinem Sohn auf diese Insel Zuflucht vor den heranstürmenden Feinden finden. Als er die Insel mit seinem "vaka", seinem Einbaum, erreichte, trug er seinen Sohn zu einer Palme und befahl ihm, sich hoch oben unter den Blättern zu verstecken. Nun waren nur seine Fussspuren im Sand zu sehen, er wollte seine Gegner glauben lassen, alleine auf der Insel zu sein. Der Vater konnte der gegnerischen Uebermacht nichts entgegensetzen und wurde getötet, sein Sohn blieb unentdeckt und kam lebend davon. Diese Geschichte gefiel uns, auch wir wollten an diesem Ort gemeinsame Spuren hinterlassen, unseren Lebensweg nun gemeinsam gehen. Wer denkt, dass das Wetter in der Südsee kein Problem darstellen kann, irrt gewaltig. Ein Orkan über Samoa machte die Wetterlage instabil, jeden Tag konsultierten wir die Prognosen in den "Cook Island News".

Am 11. Januar holt uns Annie mit ihrem weissen Weddingmobil, dem einzigen Pick up dieser Farbe auf der Insel, beim Hotel ab. Wir sind beide sehr nervös, mir gelingt es nicht mal mehr, mich auf leichte Lesekost (Musik-Express) zu konzentrieren. Lisa, die Fotografin, macht erste Bilder, während Junior, der schon erste Erfahrungen beim Tele Rarotonga gemacht hat, sich mit meiner Videokamera vertraut macht. Nach einem aufgeheizten Morgen liegen nun Wolken über der Hauptinsel, was mir und meinen Schweissdrüsen nur recht ist. Am O'otu Beach wartet Captain Terrific stolz vor seinem Boot, mit Palmenblättern und exotischen Blumen reichlich geschmückt. Minister Toko kommt ebenfalls mit seinem schnittigen Roller und Militärrucksack um die Kurve geschossen und drückt mir die Hand so fest wie ein Schraubstock. Sein Geld verdient Toko als Mechaniker. Er könne auch einen defekten Schiffsmotor flicken, versichert er uns. Es beginnt leicht zu tröpfeln, wir hoffen auf besseres Wetter weiter draussen. Wir nähern uns "One Foot Island" und wie von Geisterhand wird die Wolkendecke zerrupft. Der Himmel klart auf, kein Regen, sogar Fetzen vom blauen Himmel sind zu sehen. Die Szenerie ist unwirklich, noch nie haben wir eine so traumhafte Insel gesehen. Mit feuchten Augen realisieren wir, dass ausser uns keine Menschenseele hier ist. Die Farbe des Sandstrandes blendet fliessend in die Lichtspiele des Wassers über, das gedämpfte Sonnenlicht verleiht den Farben noch mehr Brillianz.

Barfuss gehen wir an Land, begleitet von den Klängen unserer eigenen String-Band. Vor einem schwarz glänzenden Steg aus Korallen, der sich vor einer Sandbank im Pazifik verliert, hält Minister Toko die Zeremonie liebevoll auf Englisch ab. Die Gefühle überwältigen uns, in weiser Voraussicht habe ich meinen persönlichen Text schriftlich vorbereitet. Die ganze Energie bündelt sich auf unsere umfassten Hände, als wir uns das Jawort geben. Die Welt scheint uns zu gehören, wir vergessen alles um uns herum. Minuten stehen wir so da, geniessen die Naturgewalt und werden von Minister Toko wieder in die Realität zurückgeholt. Ein Tisch wurde unterdessen im Wasser aufgestellt, auf dem wir unser Versprechen füreinander schriftlich festhalten. Auf einem Dokument, das sogar in der Schweiz Gültigkeit hat. Hinter uns steht die String-Band mit Gitarre und Ukulele bis zu den Knien im Wasser und gibt ihr Bestes. Die Korken knallen, mit einem Cüpli in der Hand fällt die ganze Anspannung von uns ab. Unsere Fussspuren wird der Wind schonungslos verwischen, die von uns gepflanzte Kokospalme wird uns hoffentlich irgendwann in ferner Zukunft Schatten spenden. Das Schiff bringt uns zurück auf die Hauptinsel, wir sind ganz entspannt. Während unserer Abwesenheit war man auch im Hotel nicht untätig: Unser Bungalow gleicht einem Blumenmeer. Auf unserer Terrasse geniessen wir vor einem prächtigen Sonnenuntergang das exquisite Essen...

Fotos Wedding


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