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Das Flugzeug taucht durch die Wolkendecke in die Tiefe, wir erkennen das tropische Grün einer unregelmässig geformten Halbinsel an der Mündung des Perlflusses, von vielen kleinen Inseln umringt. Eine davon muss Hong Kong Island sein, der Schauplatz einer reichen Geschichte und heute Zeichen der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China. Nach dem touristischen Wildwuchs in Indien sind wir sichtlich erstaunt, als wir unser Busticket in die Innenstadt ohne Handeln an einem Schalter erstehen können. In Hong Kong ist bebaubares Land rar, nur etwa 25% kann genutzt werden, aus diesem Grund musste der Flughafen auf einem aufgeschütteten Gebiet errichtet werden. Gebannt schauen wir auf unserer Fahrt nach Queensbay, wo wir ein günstiges Hostel vorgebucht haben, die stahl- und betongefassten Glastürme hinauf; man spürt, welche Energie von China und seinen Menschen ausgeht. Bereits am ersten Tag  zeigt uns China seine Anzeichen für die Zukunft: Alles ist mustergültig organisiert, wir beobachten, wie sich chinesische Reisebusgruppen in die modernen, klimatisierten Einkaufszentren ergiessen. Uns zieht es mit und wir geniessen die Annehmlichkeiten der westlichen Welt, hektisch doch stressfrei, China gefällt uns. In Kowloon üben wir unser stoisches Desinteresse gegenüber indischen Strassenverkäufern und beobachten wiederum amüsiert, wie ein chinesischer Reiseleiter in der Haltung eines Feldherrn seiner Reisegruppe seinen präzisen Zeitplan ausbreitet, gezielt, effektiv und erfolgreich ein Ladengeschäft zu stürmen. Er währt nie lange, und zurück bleiben verwirrte Verkäuferinnen, die soeben das Geschäft der Woche gemacht haben und nun nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht. Die Funktionsweise der Chinesen erkennen wir sofort: Sie treten immer in Gruppen auf, ihre Beutejagd konzentriert sich strikte auf Statussymbole und Vorzeigeobjekte, sie hinterlassen am Ort das Vakuum einer mächtigen sich zurückziehenden Welle.

Mit der Zahnradbahn fahren wir auf den Victoria Peak, den berühmtesten Aussichtspunkt von Hong Kong. Von hier oben sieht man die Victoria Bay, die man wie zu den Zeiten der englischen Kolonialmacht auch heute noch mit der Star Ferry überqueren kann. Die Betonschluchten vor unseren Augen sind imposant. Bei Dunkelheit werden die Wolkenkratzer von Hong Kong mit einer Lasershow zum Erleuchten gebracht, unterlegt mit abgestimmter Musik. Und trotzdem haben wir nach einer Woche genug von der hohen Luftfeuchtigkeit und dem immensen Konsumwahn und reisen in Shenzhen ein ins „Mutterland“. Dem Chinesischen in Schrift und Wort nicht mächtig sprechen wir einen Chinesen an, ob er uns wohl helfen könnte. Sehr hilfsbereit gibt er uns die nötigen Informationen auf Englisch und schickt uns auf höhere Kräfte hoffend („God bless you“) auf die Reise nach Yangshuo. Nach einer komfortablen Nachtfahrt im Liegebus wird frühmorgens die Kulisse der Kuppen und Karstkegel sichtbar, der bizarren Wahrzeichen Yangshuos - und mit ihnen der Inbegriff des alten China. Die zuckerhutförmigen, grün überwucherten Kalksteinfelsen, die sich mitten in dem Ort erheben, nehmen uns sofort gefangen. Der unwirklich malerische Ort liegt am Li-Fluss, der sich wie ein grünes Seidenband auf einer Länge von achtzig Kilometern durch eine Traumlandschaft steil aufragender, legendenumwobener Kalksteinfelsen zieht. In Yangshuo gibt es heute zahllose kleine Restaurants, Teestuben und Coffeeshops, die Hauptstrasse wurde gepflastert und ist jetzt ein grosser Markt. Amüsiert sehen wir von einer lauschigen Veranda zu, wie sich Tagesausflügler aus Guilin beim Handel um echte und unechte Antiquitäten, Malereien, Kalligraphien, Jadeschnitzereien, Bambus- und Holzarbeiten, Porzellangefässe und Silberschmuck zu schauspielerischen Höchstleistungen hinreissen lassen oder entnervt das Weite suchen, ohne sich jedoch der hartnäckigen Händler zu entledigen. Um die Schönheit der Landschaft richtig zu geniessen, mieten wir uns ein Bambusfloss, um uns flussabwärts treiben zu lassen. Mit viel Geschick setzt der Bootsmann über kleine Stromschnellen hinweg, hinter denen jeweils schwimmende, komplett ausgerüstete Fotostudios auf Schnappschüsse der verdutzten Touristen spekulieren. Bestimmt ein bisschen zu viel Kommerz, doch dafür hat man den Blick frei auf die Zinnen, Zacken und Kegeln, die sich in den Reisfeldern spiegeln und Namen wie Drachenkopf, Mondhügel oder Elefantenrüsselberg tragen.

Das Verkehrsnetz im Westen Chinas wird zunehmend schlechter, wir entscheiden uns, einen Flug nach Chengdu zu buchen. Chengdu ist die aufstrebende Hauptstadt der Provinz Sichuan im Südwesten Chinas. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Beijing hat sich China für ein ideales Maskottchen entschieden, den Pandabären. Nur 10 km nördlich von Chengdu besuchen wir  die grösste Pandaaufzuchtstation der Welt. Nicht nur wir, sondern auch die chinesischen Touristen sind total entzückt von den etwa 39 Exemplaren dieser stark vom Aussterben bedrohten Tierart. In freier Wildbahn findet man leider nur noch sehr wenige der weiss-schwarzen Bären, welche auch zunehmend durch die Gebietsansprüche des Menschen verdrängt werden. Ein weiteres Problem ist, das sich die wählerischen Pandabären zu 95% von wenigen bestimmten Bambussorten ernähren.

Die traditionellen chinesichen Teehäuser werden immer mehr von westlichen Cafés verdrängt, doch nicht so in Chengdu, in Sichuan ist es ein wichtiger Bestandteil des Lebens, Teehäuser zu besuchen. Die Ohren mit einem Metallstab lassen wir uns nicht putzen, dafür wagen wir uns an die Spezialität „Hot Pot“: eine heisse Chilli-Brühe, in der man Gemüse und hauchdünn geschnittenes Fleisch selber zubereiten kann. Da niemand im Restaurant Englisch spricht, deuten wir in der Küche auf die Zutaten, die wir gerne im Suppentopf haben möchten. Für uns ist es unmöglich, die chinesische Sprache zu lernen. Um eine Zeitung lesen zu können, muss man etwa 3000 Zeichen erkennen, Akademiker haben bis 30'000 Zeichen in ihrem Repertoire. Zudem ist die Kommunikation für uns sehr schwierig, weil das Chinesisch eine Tonsprache ist; einzelne Dialekte haben drei, manche bis zu acht Töne. In den Hostels spricht meist eine Person Englisch und so konnten wir uns auch gleich die Kontaktadresse einer Unterkunft in der nächsten Stadt organisieren, alles auf Chinesisch.

In der Umgebung von Chengdu erheben sich einige wunderbare Gebirgszüge, so auch das Emei-Gebirge, das mystische buddhistische Tempelgebiet, das uns vor allem wegen seiner majestätischen Landschaft sehr gefallen hat. Chinesen wandern nur auf befestigten Wegen, weshalb sich ein Netz von Treppen und  Strassen durch den Nationalpark zieht, kaum Natur belassene Wege sind zu finden. Wir wandern trotzdem auf die 3011 m.ü.M. gelegene Spitze des Emei-Shan, wo eine fantastische goldene Tempelstupa und eine schroff abfallende Felsklippe auf uns wartet. Glückliche können hier oben eine seltene Manifestation Buddhas erleben: In den von den Sonnenstrahlen erleuchteten  Wolken erscheint durch Spiegelung der Umriss des Erleuchteten. Allzu Fromme stürzten sich einst sinnestrunken dem Bildnis und dem Abgrund entgegen, die Parkaufseher mussten darauf die Plattform mit Geländern sichern. Die Chinesen lieben es, wenn sie alles reglementieren können, sei das die ethische Gesinnung, die Regeln in einem Nationalpark oder Anstandsregeln im Allgemeinen (Siehe Foto).

Die chinesischen Behörden hatten aufgrund von Unabhängigkeitsprotesten in Tibet die Ausstellung von Einreiseerlaubnissen für Ausländer kurzerhand eingestellt. In unserem Hostel schien es unmöglich, das nötige Permit zu erhalten, nach eingehenden Nachforschungen im Internet fanden wir eine Reiseagentur, die in der Lage war, uns nach Tibet zu bringen.

Fotos Hong Kong

Fotos China I



Yangshuo, China

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