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Mit freudiger Anspannung kommen wir in Agra an, dem Ort, wo einst Shah Jehan den Taj Mahal erbauen liess, in Gedenken an seine geliebte Frau, Koenigin Mumtaz, die bei der Geburt ihres 14ten gemeinsamen Kindes starb. Das weisse Mausoleum wurde zwischen 1631 und 1648 von 20'000 Arbeitern aus ganz Asien in persischer Architektur erbaut. Ueber 1000 Elefanten wurden zum Transport herangezogen. Die Aussenfassade wurde mit 28 verschiedenen Edelsteinen, die in den Marmor zu wunderbaren Mustern eingefuegt wurden, verziert. Die Symetrien sind so gekonnt angewendet, dass man sich fast ein wenig unwohl fuelht, so perfekt ist der Bau. Stundenlang spazieren wir auf dem Gelaende herum und sind erstaunt, wie die aufgehende Sonne den polierten Marmor immer wieder in ein neues Licht taucht. Ein einzigarties Monument! Als Wahrzeichen von Indien wollen ihn auch alle Touristen sehen, ganze Ladungen von schwitzenden Besuchern werden in klimatisierten Bussen angekarrt. Auch der fuer indische Verhaeltnisse ungewoehnlich hohe Eintrittspreise von 18 Dollar, die Inder zahlen 75-mal weniger, befremdet. Die Stimmung in Agra ist zudem sehr gehaessig, die Autorickscha-Fahrer sind verzeifelt, weil ihnen die grossen Touristikunternehmer mit grossen Bussen die Arbeit wegnehmen. Ein Reisebuero versucht uns dann auch noch Sitze im Nachtzug nach Varanasi zu verkaufen, die gar nicht in ihrem Kontingent sind. Mona wuenscht dem linkischen Inder ein schlechtes Karma und nimmt das vorausbezahlte Geld an sich. "In Indien hat man es schwer als Frau, die sich gegen die gesellschaftlichen Konventionen stellt", erzaehlt uns die unverheiratete Inderin Chanchal in unserer Hotellobby und spricht die Zwangsverheiratungen an, die in Indien gang und gaebe sind. 90% der Hochzeiten werden von den Eltern arrangiert, mit geringer bis keiner Mitsprache der Betroffenen. Chanchal ist nur zu Besuch in Agra, sie musste das Land verlassen, weil sie die ueberall starrenden und anklagenden Augen nicht mehr ertragen konnte. Selbst ist die Frau, denkt sich Mona, wickelt am naechsten Morgen den Schaffner mit ihrem Charme um den Finger und beschafft uns zwei Sitze im Air-Conditioning-Abteil.

Wer in Pushkar gebadet und in einem der vierhundert Tempel der Stadt gebetet hat, ist den Goettern naeher als anderswo. Wer es nicht nach Pushkar schafft, dem bietet sich ein valable Alternative. In Varanasi ist es kein See, sondern ein breiter Fluss, der Ganges. Einmal im Leben muesse jeder Hindu in Varanasi gewesen sein, so die Regel. Ihr gehorcht man - wie so vielen anderen Geboten, die Religion und Tradition vorgeben. Als es dunkel wird, fahren wir mit einem Ruderboot zum Hauptghat, zu den grossen Ufertreppen vor dem Stadtzentrum. Zuerst sehen wir nur die brennenden Kerzen, das die Palaeste und Tempel ringsherum geheimnisvoll erhellt. Dann das Gedroehne der Trommeln, die Luft vibriert. Auf den hoechsten Stufen stehen fuenf Priester, die mit muskuloesen Armen rhythmisch die Kerzenleuchter in Richtung des Flusses schwenken. Tausende Menschen stimmen bei der allabendlichen Zeremonie ins Gebet ein. Fruehmorgens sitzen wir wiederum im gleichen Boot, hinter uns die aufgehende Sonne, die mit ihren besaenftigenden Strahlen aufs Wasser zeichnet. Entlang der 80 Ghats machen die hinduistischen Pilger das rituelle Bad im Ganges bei Sonnenaufgang mit. Nach wochenlangen Fussmaerschen aus ihren Doerfern in die heiligste aller indischen Staedte zeigt sich nur Freude und Erleichterung auf ihren Gesichtern. Riesige Mengen heiligen Gangeswassers schleppen sie in Gefaessen und Plastikflaschen in ihre Heimatorte, um auch die Angehoerigen an ihrem Seelenheil teilhaben zu lassen. Fuer glaeubige Hindus ist der Ganges eine Goettin, uns erscheint er eher als eine Dreckbruehe. Das truebbraune Wasser riecht unappetitlich, an der Oberflaeche schwimmen Abfaelle und undefinierbarer Schaum. Es gibt so gut wie keinen aufgeloesten Sauerstoff mehr im Fluss.

Der Tod ist in Varanasi stets praesent. Es gibt zwei Verbrennungsghats, auf deren Steintreppen Holz zu flackernden Scheiterhaufen aufgeschichtet ist. Nachdem das lodernde Feuer seinen Dienst getan hat, werden die menschlichen Ueberreste dem Fluss mitgegeben. Eine verkruemmte Leiche treibt an unserem Boot vorbei. "Diese Person muss einem toedlichen Schlangenbiss erlegen sein. Wenn die Goettin Shiva, die auch in Schlangengestalt auftritt, dem Gluecklichen direkten Zugang zum Nirvana gewaehrt hat, wird der Koerper nicht verbrannt", die Erklaerung des Bootsfuehrers kommt ohne mit der Wimper zu zucken. "Mutter Ganges hat schon viele Wunder vollbracht", glaubt unser Bootsfuehrer. Ungeniessbar und verschmutzt sei das Wasser, meinen wir, darauf antwortet er nur, dass auch er selbst jeden Tag einen kraeftigen Schluck aus dem Fluss nehme, um Koerper und Seele zu saeubern. Wir lassen ihn mit seinem Glauben am Assi-Ghat zurueck. Mit einem Fuehrer erkunden wir die verwinkelten Gassen der Altsstadt. Er ist ein freundlicher Student, er kennt jeden Tempel und Schrein am Wegesrand und schuettelt Geschichten von Goettern und Heiligen aus dem Aermel, die ihm sein Grossvater erzaehlt hat. Im Tempel der Affen finden sich viele Liebespaare ein, die um eine glueckliche Zukunft bitten, dafuer den Affen Snacks reichen. Varanasi ist ein ausserordentlich spiritueller Ort, der uns sehr gefangen nimmt. Das viele Male gehoerte "Where do you come from?" ermuedet jedoch die geduldigsten Gemueter, Inder koennen schwer auf Distanz gehen. Mit vielen wertvollen Eindruecken setzen wir unsere Reise fort, in die kuehlen Hoehen des indischen Himalaya.

Fotos Indien III


Ghat am heiligen Ganges, Varanasi

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