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Bangkok verkommt immer mehr zu einem gewaltigen Beton-Dschungel, den man als Europaer nur in kleinen Dosen ertragen kann: Die Autostrassen schlingen sich wie ein enges Arteriensystem durch die trostlosen Slums und Wolkenkratzer, ohrenbetaeubender Laerm ueberall, in den Haeuserschluchten zwaengen sich Gassenkuechen, ungeduldige Taxifahrer und Touristen, die um ihren Geldbeutel fuerchten, aneinander vorbei. Entweder man liebt oder hasst es. Eine Stadt der Extreme duldet keinen Mittelweg, kein Mittelmass. Wer seine Hassliebe ausloten moechte, macht ein Sightseeing mit Fahrrad, sollte jedoch den Mundfilter nicht vergessen. Regu und Beni haben es gewagt und auch ueberlebt, wie sie uns beim gemeinsamen Schlemmen im Restaurant "Lemongrass" berichtet haben. Die Reize von Bangkok liegen unter der Oberflaeche begraben: Exquisite Restaurants, historische Monumentalbauten, Shopping Malls auf dem neusten technischen und innovativen Level und tolle Hotels als Rueckzugsoasen. Der Lumbini-Park ist die gruene Lunge des Molochs, hier joggen die Asiaten, praktizieren Tai Chi, machen bei der maoistisch angehauchten Gruppengymnastik mit oder diskutieren bei einer Tasse Gruentee. Frueh am Sonntagmorgen nahmen wir am Mini-Marathon statt, der auf der grossen Lumbini-Runde stattfand. Keine Angst, Mini bedeutet nur zwei Runden, d.h. 5 Kilometer, fuer die jedoch einige Teilnehmer den ganzen Morgen benoetigten, da sie unterwegs ihre Verwandten antrafen ein Schwatz ihrer Bestzeit vorzogen. Auch an die beruehmt-beruechtigte Traveller-Meile Kao San kehrten wir zurueck, waren ziemlich schockiert von der primitiven Szene und nahmen den Nachtbus nach Laos.

Ueber die Friendship-Bruecke erreichten wir am naechsten Morgen laotisches Gebiet und der Fahrer wechselte von Rechts- auf Linksverkehr. Vientiane gilt als die entspannteste Hauptstadt der Welt, hier liegt im Kontrast zu Bangkok Ruhe in der Luft. Keine aufsaessigen Schlepper am Busterminal, die Tuk-Tuk-Preise sind unverhandelbar und auch die Ladenbesitzer machen sich bei unserem Vorbeischlendern nicht sonderlich bemerkbar. Im Cafe Croissant d'or sind wir froh ueber das koloniale Erbe der Franzosen: die Buttergipfeli behalten wir als die zweitbesten der Welt in Erinnerung. Mona freut sich Tags darauf auf die diversen englischsprachigen Modemagazine im Stickies und ich esse dort am Abend wieder einmal eine fettige Weisswurst. Verwoehnt von den burmesischen Stupas reisst uns der goldene Kegel von Pha-That-Luang, dem Wahrzeichen von Laos, nicht zu Begeisterungsstuermen hin, stattdessen gefaellt uns das hoelzerne Kloster Wat-Si-Saket mit seinen ueber 2300 Buddhadarstellungen umso besser. Faehrt man mit dem Bus Richtung Norden wird die Landschaft zusehends gebirgiger; in diesem Niemandsland verstecken sich auch heute noch die gefaehrlichen Pathet-Lao-Rebellen, die gegen die nach wie vor kommunistische Regierung kaempfen und auch vor Blutvergiessen nicht zurueckschrecken. In den letzten Jahren hat es jedoch keine Zwischenfaelle mehr gegeben.

Entlang dem Mekong, der Lebensader von Suedostasien, fahren wir nach Vang Vieng, das eingebettet ist in eine fantastische Karstlandschaft. Wie vom Rost abgefressene Schwerter stehen die Gebirgszuege hintereinander und tragen im rosa Abendlicht ein Schattenspiel vor, das an eine mystische Traumwelt erinnert. Der Zauber ist am darauffolgenden Tag nach einer Hoehlenwanderung und einer Kajakfahrt auf dem Fluss vorbei. Dutzende von israelischen Bugdet-Touristen lassen sich in Schlaeuchen im ruhigen Wasser zurueck zum Dorf treiben, mit einer Whiskeyflasche und einem betraechtlichen Pegel an halluzinogenen Stoffen im Blut schaffen sie eine Atmosphaere, die der beschauliche Ort nicht verdient hat. Das sind die Auswuechse des Tourismus, die man nicht gerne sieht! Schnell reisen wir weiter nach Phonsavan, dem Ausgangspunkt fuer die Entdeckung der mysterioesen "Ebene der Steinkruege". In Phonsavan bewegt man sich als Besucher auf nicht ausgetretenen Pfaden, das alltaegliche Leben in dieser dank dem Teakholzhandel florierenden Stadt ist an allen Ecken spuerbar, man fuehlt sich fast ein bisschen deplaziert. Unser Busfahrer hat die Bergstrecke hinauf aufs Hochplateau wie auf Schienen zurueckgelegt. Ein Taxi faehrt uns zu unserem Hotel Maly, dessen Aussenfassade mit allerlei skurrilen Gegenstaenden "dekoriert" ist: Bombenhuelsen sind zu Blumentoepfen umfunktioniert worden und neben dem Eingang steht ein Grill in Form eines ausgehoehlten Raketengeschosses.

Die Ebene der Steinkruege war ein zentrales Schlachtfeld in den Sechziger-Jahren waehrend des Vientnamkrieges, als kommunistische Kraefte in Laos und Vietnam versuchten, den Norden des Landes zu erobern. Da die Amerikaner keine eigenen Soldaten opfern wollten, initierten sie einen feigen paramilitaerischen Coup, der von den laotischen Hmong-Bergvoelkern und den Thais durchgefuehrt wurde. Der Krieg war wohlbekannt in Laos, die westliche Weltbevoelkerung bekam von dem "Secret War" nichts mit. Auf der Hoehe des Vietnamkrieges kostete die flaechendeckende Bombardierung von Laos den amerikanischen Steuerzahler taeglich 2 Millionen Dollar. Bezweckt war die Zerstoerung des Ho-Chi-Minh-Pfades von Saigon nach Hanoi, dem Transportweg des Waffennachschubs der kommunistischen Vietnamesen. Waehrend der Operation "Rolling Thunder" verliessen mit Waffen beladene Jets den thailaendischen Ort Udon Thani in einem Abstand von 8 Minuten, um ueber dem kleinen abgeschlossenen Land Laos mehr Hochexplosives abzuwerfen als auf ganz Deutschland waehrend dem 2. Weltkrieg. Was uns sterk beruehrt und auch imponiert hat, war die Erfindungskraft der baeuerlichen Einwohner, ihre tragische Geschichte in einen Nutzen umzuwandeln. Es wird angenommen, dass 20 Prozent der abgeworfenen Bomben nicht detonierten und nun sowohl Fluch als Segen bringen. In einem horrend gefaehrlichen Prozess versuchen lokale Jaeger und Rebellen das Schwarzpulver aus den Bomben zu entfernen, um es in ihren altertuemlichen Flinten zu benutzen. Die liegengelassenen Huellen, meist aus qualitativ hochwertigem Stahl gefertigt, werden aber auch auf vielerlei gute Arten eingesetzt: ganze Haeuser koennen damit gebaut werden.

In diesem spaerlich bevoelkerten und vom Krieg vernarbten Hochland von Laos sind hunderte von massiven Steinkruegen verteilt, alle meisterhaft aus hartem Sandstein geschlagen und unregelmaessig verteilt. Die Steine wurden vor etwa 2000 Jahren ueber eine grosse Distanz hierher transporiert. Die alten Sagen sprechen die gigantischen Gefaesse den "Acht-Ellen-Menschen" zu, einer Art suedlicher Verwandter des Yeti. Sie sollen nach gewonnener Schlacht ihre Siegesfeier auf der Ebene abgehalten haben und in den Toepfen ihren Siegestrunk gebraut haben. Wissenschaftlich bewiesen ist, dass die Toepfe zu Bestattungsplaetzen gehoerten, sie enthielten die Grabbeigaben. Die Knochen der Toten wurden nach ihrer Verwesung ausserhalb bestattet. Der schwerste Krug wiegt sage und schreibe 6 Tonnen und soll dem Koenig Jeuam als Siegespokal gedient haben. Die Soldaten des Vietnamkrieges haben die Toepfe als Schutzschilder benutzt, an vielen Orten kann man die Einschussstellen der Kuegeln sehen. Es ist ratsam, sich nur auf ausgeschilderten Wegen zu bewegen, da immer noch viele unexplodierte Bomben herumliegen. Die alten Bomben toeten oder verletzen immer noch ca. 60 bis 80 einheimische Menschen pro Jahr, vor allem Kinder, die mit den harmlos aussehenden, jedoch extrem toedlichen tennisballgrossen Granaten spielen. Wir sind richtig betroffen, wie ein Jahrzehnte zurueckliegender Krieg immer noch Verderben ueber viele hier lebende Familien bringen kann.

Ein grosses Problem in weiten Teilen Asiens ist die nach wie vor grossraeumig durchgefuehrte Brandrodung, die fuer unsere Augen oftmals sehr unkontrolliert wirkt und den Himmel fuer Wochen verduestern kann. Als wir mit dem Bus entlang trockenen Huegelkreten nordwaerts fahren, haetten wir an einigen Orten eine Wurst an einem Stecken aus dem Fenster halten und einen Grillplausch veranstalten koennen. Am Zusammenfluss des Mekong und des Khan-Flusses liegt Luang Prabang, die faszinierende Stadt, die eingtragen ist als Weltkulturerbe. Viele alte Gebaeude reihen sich auf an den Ufern des Mekong, die schmalen Gaesschen fuehren alle schon nach kurzer Zeit zu einem der 66 Tempel, die dem Ort buddhistische Spiritualitatet verleihen. Die Laoten lassen sich nicht stressen, will man etwas von ihnen, muss man sie wecken. Nach einiger Zeit empfanden wir diese Mentalitaet zuweilen auch als fehlende Motivation und Lieblosigkeit. Ein Sprichwort sagt auch: Die Burmesen pflanzen den Reis, die Vietnamesen sehen zu und die Laoten hoeren zu, wie er waechst. Die laotische Kueche mundete uns dagegen sehr und wir nahmen an einem Kockkurs teil, der uns zeigte wie man die schmackhaften suess-saure Saucen abschmeckt. Dabei trafen wir Ginger und Ann, ein Paar aus Hong Kong, das uns voller Stolz mit ihren drei Kindern ablichtete (Paddy und Mona mit Ginger, Gary & Cherry). 32 Kilometer ausserhalb von Luang Prabang besuchen wir den wunderbaren Wasserfall Tat Kuang Si, der ueber unzaehlige Granittreppen durch eine satte Vegetation nach unten fliesst. Eine willkommene Abwechslung zum feuchtheissen Klima. Gestaehlt durch die Hitze und entspannt vom laotischen Nichtstun fuehlten wir uns nun bereit fuer das naechste Abenteuer: Indien.

Fotos Laos


Vang Vieng

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